Die Bestimmung des TSH-Wertes ist Teil der routinemässigen Blutuntersuchung in den Hausarzt-Praxen.
Doch bei vielen Patienten wird vorschnell die Diagnose einer Schilddrüsen-Unterfunktion gestellt und mit dem Schilddrüsen-Hormon behandelt.
Dabei bräuchten ca. 25% der Patienten, die ein Schilddrüsen-Hormon verschrieben bekommen, dieses gar nicht.
Ältere Patienten
Gerade ältere Patientinnen bekommen oft seit Jahrzehnten immer die gleiche Dosis verschrieben. Überprüft und angepasst wird selten bis gar nicht.
Dabei schadet die Hormongabe sogar all zu oft. Wird der TSH zu sehr gesenkt, erhöht sich z.B. das Risiko für Vorhofflimmern.
Schilddrüsenknoten
Vor Jahrzehnten war es auch üblich, jeden zufällig gefundenen Schilddrüsenknoten immer mit Hormongaben zu behandeln. Doch längst nicht jeder Patient hat von der Medikamentation profitiert. Heute beobachtet man diese zunächst und wartet ab.
TSH-Wert
Ein erhöhter TSH-Wert KANN ein Hinweis auf Unterfunktion sein, der allein allein kaum Aussagekraft hat.
Der TSH-Spiegel schwankt je nach Bedarf im Körper. Je nach Tageszeit, Jahreszeit, bei Schlafmangel, Streß, körperlicher Anstrengung, Infektionen oder auch bei Übergewicht verändern sich die Werte.
Entscheidend für die Diagnose von Schilddrüsen-Störungen sind daher nicht Routine-Laborwerte, sondern immer die Symptomatik des Patienten!
Überfunktion per Rezept
Wenn weder Symptome einer Unterfunktion, noch wirklich eine vorliegt, wird per Medikament eine Überfunktion per Rezept erzeugt.
Die führt im besten Falle zu "harmlosen" Symptomen wie innerer Unruhe und Nervosität. Doch Schlaflosigkeit, erhöhter Blutdruck bis hin zu Vorhofflimmern sind ernste Symptome.
Leider wird in der Praxis dann meist nicht die unsinnige Thyroxin-Tablette in Frage gestellt. Sondern es werden Medikamente mit weiteren Nebenwirkungen verordnet, um die Nebenwirkung des überflüssigen Medikamentes zu kontrollieren!
Unterfunktion
Bestehen Symptome, die einen berechtigten Verdacht auf Unterfunktion begründen, müssen daher immer mehrere Labor-Werte bestimmt werden, um den Verdacht zu bestätigen. Ausserdem sollten die Werte über längere Zeit beobachtet werden.
Dazu gehören die freien Schilddrüsenhormone t3 und t4, die Leberwerte und eine Ultraschalluntersuchung des Organs.
Auch der Nachweis von Antikörpern gegen das eigene Schilddrüsengewebe (TPO-Ak, TG-Ak und TRAK) sollten dann mitbestimmt werden. Denn immer häufiger steckt eine Autoimmun-Erkrankung der Schilddrüse hinter den Symptomen:
Hashimoto-Thyreoditis
Diese Auto-Immun-Erkrankung kann sowohl zu Über- als auch zu Unterfunktion der Schilddrüse führen. Denn je nach stressbedingter Belastung wechseln die Phasen hin- und her.
Und nicht jeder Patient mit M. Hashimoto befindet sich z.B. in der Unterfunktion, wenn er chronisch übermüdet ist. Manchmal steckt schlicht Schlafmangel dahinter, wie bei einem meiner Patienten.
Eine Hormonbehandlung verschlechtert dann die Symptome und facht das Autoimmungeschehen zusätzlich an!
Behandlung von SD-Störungen
Zur Behandlung sowohl einer Über- als auch der Unterfunktion braucht es also immer viel mehr als nur Routine-Labor. Dazu braucht es auch eine gute, vertrauensvolle Zusammenarbeit des Behandlers mit dem Patienten.
Der Patient muss lernen, im Alltag seine tatsächlichen Symptome gründlich zu beobachten. Der Arzt muss sich die Zeit nehmen, diese mit dem Patienten zu besprechen.
Auch die Anpassung an die tatsächlich notwendige Hormon-Dosis muss in kleinen Schritten unter Kontrolle und über längere Zeit erfolgen.
Ausserdem muss sie je nach Lebensphase neu angepasst werden. Ob Wechseljahre und Schwangerschaft bei Frauen oder Pensionierung bei Männern, all dies verändert den Hormonhaushalt im Organismus!
NICHT einfach absetzen!
Vorsicht, auch Schilddrüsen-Hormone (wie viele andere verschreibungspflichtige Medikamente) dürfen keinesfalls einfach abgesetzt werden.
Der Organismus fällt dann in eine plötzliche Unterfunktion, die durchaus nicht nur unangenehm werden, sondern durchaus zu ernsten Symptomen führen kann.
