Es gibt es kaum einen Menschen hierzulande, der keine Ergänzungsmittel nimmt, oft empfohlen vom Arzt, Apotheker, von lieben Menschen. Und meist nicht nur eines, sondern meist mehre Präparate, und oft hochdosierte Kombinationen aus vielen Wirkstoffen.
Mittlerweile bekommt fast jeder, spätestens nach einer Blutabnahme zum Ende des Winters
hochdosierte Vitamin-D-Vorstufe vom Arzt verschrieben. (mehr Details dazu hier)
Marketing bedeutet, Bedarf für Dinge zu schaffen, die
kein Mensch braucht. Die Herstellungskosten sind minimal, das meiste
kosten die chicen Verpackungen und die Vermarktung. Für all diese Mittel wird aggressiv geworben.
Der
Ertrag ist riesig,
die Produkthaftung vernachlässigbar, denn es sind ja keine
Arzneimittel. Deswegen brauchen die keinen Beipackzettel, wie
Arzneimittel.
Nebenwirkungen und
Wechselwirkungen mit anderen Mitteln werden nicht erwähnt. Von den Symptomen, die übermässige Zufuhr verursachen, wird nie gesprochen.
Da muss sich der Kunde schon selbst informieren. Macht aber keiner.
Tante Frida hat gesagt, XY hätte der Nachbarin sooo toll gehelfen. Also schnell gekauft und gleich genommen. Unsere
Oma z.B., die hat von ihrer Lieblingsfima aus der Fernsehzeitschrift
fast das ganze Sortiment im Schrank, seit Jahrzehnten.
Medikament, Arznei, Ergänzung
Diese Begriffe verwirren Verbraucher. Medikamente unterliegen hohen Kontrollen. Sie dürfen nur in Apotheken verkauft werden. Manche dürfen dort nur mit Rezept eines Arztes abgegeben werden.
Doch oft haben selbst hochdosierte Präparate keine Zulassung als Apotheken-pflichtige
Arzneimittel, sondern gelten als freiverkäufliche Mittel, bzw. Nahrungsergänzungsmittel (NEM). So werden sie
in Drogerie- und Supermärkten verkauft und füllen dort ganze Regale.
Dazu kommen Mittel, die über das Internet, aus dem Ausland gekauft werden. Die entsprechen nicht den hiesigen Vorgaben an Deklaration der Inhaltsstoffe. Längst ist nicht das drin, was versprochen wurde. (Doch das ist ein ganz anderes Thema...)
Kann ja nicht schaden...
lautet die Devise.
Es wird ja ausserdem im TV und in jeder
Zeitschrift beworben und das Blaue vom Himmel versprochen,
Schmerzfreiheit, Anit-Aging, Immun-fit - und mit all den
Mangelerscheinungen gedroht, wenn diese Präparate nicht genommen werden.
Als Beispiel dient hier ein Mittel, das "so schön die Nerven stärkt, sogar Nervenerkrankungen vorbeugen und Nervenschäden verringern soll, den Energiestoffwechsel unterstützt, Müdigkeit & Ermüdung verbessert". Alles Aussagen aus der aus der Werbung, brav nachgeplappert von unserer Oma.
Nach jahrelanger Einnahme landen genau diese Patienten dann beim Hausarzt oder Neurologen, weil sie immer unsicherer auf den Beinen werden, weil die Missempfindungen, das Kribbeln und die Taubheit in den Füßen und Beinen zugenommen haben.
Die Diagnose lautet korrekt chronische Polyneuropathie. Deren Ursache sind meist Diabetes, übermässiger Alkoholkonsum, Viamin-B12-Mangel. Doch liegt keines davon vor. Was ist bloss die Ursache? Alles nur altersbedingt?
Kaum ein Arzt wird auf Vitamin-B6 als Verursacher kommen. Es wird nicht routinemässig überprüft. Es fehlt auch die Zeit, sich mit jedem Patienten durch den Wust an eingenommenen, freiverkäuflichen Produkten der letzten Jahre bis Jahrzehnte durchzukämpfen.
Und unsere Oma, mit jetzt 94 Jahren als Paradebeispiel, weiss wirklich nicht mehr, was sie alles wie lange eingeworfen hat. Sie bekommt ja kaum die lange Liste der vom Arzt verordneten Mittel zusammen.
Nach Absetzen bessern sich meist die Symptome der Überdosierung, aber nicht nicht immer vollständig.
Gerade bei diesem Beispiel bleiben oft Nervenschädigungen zurück - und das von einem Mittel, das "sooo gut für die schwachen Nerven" sein sollte!
A-C-E, die vielbeworbenen Vitamine
verbessern die Gewinne der Hersteller enorm. Gerade in Produkten,
deren Zielgruppe Kinder sind, ist diese Kombination ein Garant für hohe Verkaufsquoten.
Sie
verbessern das schlechte Gewissen der Käufer enorm, schliesslich futtert man ja was Gesundes mit diesem ungesunden Bonbon, dem süßen Getränk. Immerhin darf mittlerweile für diese Produkte nicht mehr damit geworben werden.
Vitamin C, korrekt Ascorbinsäure (als Laborerzeugnis) wird jedoch weiterhin beworben als "lebensnotwendiges Nahrungsergänzungsmittel zur täglichen Unterstützung des Immunsystems". Jeder weiss ja schliesslich, dass Vitamin C-Mangel ungesund, gar gefährlich ist, oder?
Massive Überdosierung
Fakt ist jedoch, dass wir in der BRD im Jahre 2026 definitiv keinen Viatmin-Mangel haben, z.B. an Ascorbinsäure (Vitamin C) wie die alten Seefahrer einst.
Noch weniger mangelt es an meist gentechnisch hergestellter Ascorbinsäure, die als Konservierungsmittel in der Nahrungsmittelindustrie ohne Höchstmengenbeschränkung zugelassen ist, selbst bei Bio-Produkten.
In den letzten
Jahrzehnten bekommen wir allein durch Nahrungsmittel so viel
Ascorbinsäure zugeführt, dass wir in Gefahr der Überdosierung sind.
Schauen Sie mal auf die Inhaltsstofflisten beim nächsten Einkauf. Sie werden staunen. Es gibt fast kein Nahrungsmittel mehr, in dem keine Ascorbinsäure (E300) zugegeben ist, als Antioxidanz, als Mehlbehandlungsmittel und Stabilisator.
Der Lebensmittelchemiker Udo Pollmer weist daraufhin, dass 1 Scheibe Kinderwurst beim Metzger mehr Ascorbinsäure enthält, als manche Brausetablette aus der Apotheke.
Überdosierung macht krank
und schadet.
Das ist in der Medizinforschung nix Neues, denn es wurden schon vor Jahrzehnten Studien (z.B. mit A-C-E) abgebrochen, weil die Patienten unter den Vitamingaben schwer erkrankten.
Aktuell hier ein link zu einem lesenswerten Artikel des Deutschen Krebsforschungszentrums mit dem Titel: Vitamine und Spurenelemente: (K)ein Plus für die Gesundheit?
Darin werden viele Mythen weiter entzaubert. Statt "natürlich lang leben" mit Vitaminpillen (ein Werbeversprechen) kann sich im Gegenteil die Lebenerwartung drastisch verringen, kann Krebswachstum gefördert werden, entstehen erst recht Symptome durch Wechsel- und Nebenwirkungen und Überdosierung.
Doch diese Informationen verbreiten sich
kaum. Sie werden nicht mit viel Etat, bunten Bildern und seitenweisen
Annoncen in Illustrierten und Apothekenheftchen verbreitet.
Die Wissenschaftler publizieren in
Fachzeitschriften. Sie sind keine Dauergäste in Arztpraxen mit
Koffern an Mustern und Broschüren. Sie sind keine Pharmavertreter, die in chicen Urlaubsorten Fortbildungen veranstalten.
"Vitamin
C ist lebensnotwendig und der Bedarf ist höher als bei anderen
Vitaminen. Darum muss es regelmäßig von außen zugeführt werden" als
Werbeaussage auf einem Eimer Ascorbinsäure gilt leider nicht als
Irreführung der Verbraucher. Denn sie bezieht sich sachlich auf Vitamin C
(in natürlicher Form und Zufuhr), wie es im Sauerkraut, im Apfel, im
Grünkohl reichlich vorhanden ist.
Nicht
jedes Verkaufsargument ist korrekt. Ebenso könnte Alt-Kanzler Helmut
Schmidt zur Werbung für Zigarretten eingesetzt werden, weil er als Kettenraucher schliesslich
über seiner hochdosierten Einnahme von Ascorbinsäure.
Das eine ist
nicht zwingend die logische Folge des anderen. Schön, dass der Chemiker
so alt wurde, trotz seiner hochdosierten Ascorbinsäure-Einnahme. Seinen Nobelpreis hat er übrigens auch nicht für Forschung im Bereich der Physiologie des Vitamin-Stoffwechsels bekommen.
Der echte Bedarf an Vitalstoffen
lässt sich keineswegs in Empfehlungen zur täglichen Tagesdosis angeben, auf die sich leider Gesundheitswesen und Ernährungswissenschaft noch immer beziehen.
Der tatsächliche Bedarf ist individuell und abhängig von vielen Faktoren, dass wir keine Allgemeinempfehlungen und Laborwerte festlegen können.
Den echten Bedarf können wir immer über einen gesunden Lebensstil decken, indem wir auf industriell bearbeitete Produkte möglichst verzichten.
Ernähren wir uns überwiegend von frischem Gemüse der Region und Saison, deren Anbau weitgehend auf Schadstoffe durch Spritzmittel und Überdüngung verzichtet.
Mit abwechslungsreicher Ernährung kann kein Mangel durch zuwenig Zufuhr entstehen. Die Vitalstoffe aus frischem Grünzeug, aus Nüssen, Saaten, Hülsenfrüchten kann unser Organismus auch tatsächlich aufnehmen und verstoffwechseln. Eine Überdosierung ist so nicht möglich.