21. September 2026

Gedanken über Hoffnung in dunklen Zeiten

 

Meine Lehrerin Joan P. Wilcox hat in ihrem Blog qentiwasi.com gerade über ein Thema reflektiert, dass immer wieder auch in den Behandlung Thema ist:

Wie bleiben wir in einer Welt,
die sich in radikaler Unordnung befindet, 
zentriert und hoffnungsvoll?

Wie bleiben wir Lichtträger, 
wenn so viel Dunkelheit um uns herum ist?

Ich freue mich daher, ihren Artikel hier als Gastbeitrag veröffentlichen zu dürfen:

Es ist eine berechtigte und dringende Frage. Hier konzentriere ich mich auf eine bestimmte, weit verbreitete Tendenz: Unseren Drang, uns auf das Licht zu konzentrieren und gleichzeitig das Dunkle zu meiden.

Ist diese Fokussierung eine Form von spiritual bypassing?

Bevor ich spiritual bypassing definiere, möchte ich auf die beiden Kernbegriffe eingehen: das Licht und das Dunkel. 

Ich gebe zu, dass es keine leichte Aufgabe ist, sie zu definieren, da viele wichtige Bedeutungsebenen ohne Hierarchie nebeneinander existieren und vom Kontext abhängen. Alles basiert auf zwei Grundsätzen: 

Erstens, dass Licht und Dunkel Aspekte derselben Energie entlang eines Spektrums sind; sie sind Ausdrücke einer einzigen Lebensenergie. 

Zweitens, dass sie nicht gegensätzlich, sondern komplementär sind. Genau wie Oben und Unten oder Rechts und Links hat das eine ohne sein Gegenstück im Paar keine Bedeutung. 

Um es kurz zu machen, vielleicht auf Kosten einer gewissen Vereinfachung, spreche ich im Wesentlichen von spiritueller Positivität und Negativität. 

Spirituell gilt das Licht als eine feine Schwingung und als Zeichen eines entwickelten Bewusstseins; es wird mit Weisheit, Güte, Einheit, Mitgefühl und sogar Heiligkeit in Verbindung gebracht. 

Dunkelheit wird meist als eine niedrige Schwingung oder als Zeichen eines unentwickelten Bewusstseins (oder des unbewussten Schattens) angesehen und mit Unwissenheit, Störung, Korruption, Solipsismus und Ähnlichem assoziiert. 

Es steht uns jedoch frei, diese Begriffe innerhalb derselben komplementären Parameter so zu definieren, wie wir es bevorzugen. Denn ähnlich wie die Wahrnehmung von andinem sami (leichter lebendiger Energie) und hucha (schwerer lebendiger Energie) ist die Wahrnehmung von Licht und Dunkelheit relativ zu unserem eigenen Seinszustand sowie zu unseren persönlichen Überzeugungen, Ethik, Moral und dergleichen. Was also für uns dunkel (oder wie hucha, schwer) ist, mag für andere leichter (oder eher wie sami) sein. 

Und um bei dieser Diskussion ganz ehrlich zu sein: Die meisten von uns haben das Gefühl zu wissen, was das Licht darstellt, wenn wir es sehen oder spüren; dasselbe gilt für die Dunkelheit.

Und so zurück zu spiritual bypassing als die Tendenz, spirituelle Überzeugungen, Perspektiven und Praktiken zu nutzen, um die Konfrontation mit Leid zu vermeiden – unabhängig davon, ob dieses Leid aus schmerzhaften Emotionen, psychischen Wunden oder harten realen Problemen entsteht. 

Der Begriff wurde Anfang der 1980er Jahre von dem Psychotherapeuten John Welwood geprägt. Er verwendete ihn zur Beschreibung eines Verhaltens, das er bei einer Gruppe spirituell Praktizierender beobachtete, die darauf beharrten, sich ungeachtet der Geschehnisse um sie herum auf das Positive zu konzentrieren – meist, um der Auseinandersetzung mit der Realität auszuweichen.

Die Realität ist, dass Menschen unordentliche, komplexe und oft verwirrende Geschöpfe sind. Diese Beschreibung schließt jeden Einzelnen von uns ein. Egal wie sehr wir uns auf das Erwachen oder Aufsteigen konzentrieren, wir können als spirituelle Wesen keine echten Fortschritte machen, solange wir nicht anerkennen und letztendlich Verantwortung dafür übernehmen, inwiefern wir noch weit vom Licht entfernt sind. 

Wahre Resilienz entsteht nicht dadurch, dass wir so tun, als gäbe es die Schatten nicht; sie entsteht durch den Mut, ihnen direkt gegenüberzutreten.

Das Erkennen von spiritual bypassing in unserem eigenen Leben erfordert radikale Ehrlichkeit, da es oft die Maske von elitärer Weisheit trägt. Was spiritual bypassing noch tückischer macht, ist, dass es bei anderen erstaunlich leicht zu erkennen ist, für uns selbst in unserem Inneren jedoch nahezu unsichtbar bleibt. 

Hier sind mehrere klassische Verhaltensweisen und Überzeugungen, die entweder spiritual bypassing darstellen oder leicht den Weg dafür ebnen:

Schicksal über Wille:

Der Glaube, dass alles aus einem bestimmten Grund geschieht oder die Dinge genau so sind, wie sie sein sollten. Diese Sichtweise umgeht eine kritische Überprüfung dessen, wie unsere eigenen Entscheidungen, Handlungen und Überzeugungen unsere Realität formen. Sie tritt unseren freien Willen im Wesentlichen an das Schicksal ab.

Übermäßige Positivität:

Sich ausschließlich auf positive Schwingungen auf Kosten unserer authentischen, vielschichtigen Emotionen zu konzentrieren. Indem wir die guten Schwingungen gegenüber den schlechten aufwerten, verringern wir unsere Fähigkeit, Angst, Sorge, Wut, Beunruhigung, Verzweiflung oder andere „schwere“ Emotionen ehrlich und sicher zu verarbeiten. 

Im Grunde umgehen wir damit die Fülle unseres Menschseins. Das, was wir in uns selbst leugnen, hat nur einen Ort, an den es gehen kann: in unser Unbewusstes, unseren Schatten.

Spirituelle blinde Flecken:

Das Ignorieren deutlicher Warnsignale im Verhalten anderer Menschen – wie Gaslighting (Wahrnehmung des Anderen infrage stellen, er wäre noch nicht spirituell genug), Manipulation oder Täuschung. 

Weil spirituelle Scheuklappen unsere Sichtweise darauf verengen können, nur (oder hauptsächlich) das Licht in anderen zu sehen, neigen wir dazu, selbst das ungeheuerlichste Verhalten auf die großzügigste Weise zu deuten. Wir rationalisieren und räumen anderen einen Vertrauensvorschuss ein, wenn sie ihn gar nicht verdienen – oft zum eigenen Schaden und zum Schaden anderer.

Ritualhandlung als Allheilmittel:

Sich auf Rituale, Zeremonien, Affirmationen und Ähn\-liches zu verlassen, um reale Probleme zu beeinflussen oder zu lösen. Während unsere heiligen Praktiken essenziell sind, kann eine übermäßige Abhängigkeit von ihnen dazu führen, notwendige Handlungen hinauszuzögern. Sie kann uns davon abhalten, uns persönlich an der Schaffung realer Bedingungen zur Umsetzung von Lösungen zu beteiligen.

Hyper-Spiritualisierung der Realität:

Intuition, Inspiration oder Optimismus über eine nüchterne, geerdete Anerkennung dessen zu erheben, „was ist“. Wir neigen dann dazu, abstrakte spirituelle Konzeptualisierungen gegenüber dem gesunden Menschenverstand und der Vernunft zu bevorzugen. So wie wir sowohl physische als auch metaphysische Wesen sind, sind wir sowohl spirituelle als auch rationale Wesen.

Die Elitedenken-Falle:

Der Glaube, dass unsere spirituellen Praktiken, Erfahrungen oder Kenntnisse uns zu etwas „Besonderem“ machen oder uns eine drastisch geschärfte Einsicht oder tiefere Erkenntnis verleihen. Diese spirituelle und egobezogene Über\-höh\-ung äußert sich oft in der Annahme, wir besäßen überdurchschnittliche Wahrnehmungen des Lebens, die die „Unerweckten“ oder der „Durchschnittsmensch“ schlichtweg nicht erfassen können.

Spirituelles Bewerten: 

Das Verkünden von „Wahrheiten“ über den inneren Zustand oder die spirituelle Entwicklung einer anderen Person, um die eigene Meinung über sie zu bestätigen. Ähnlich wie die Elitedenken-Falle verleitet uns diese Tendenz dazu, andere als „alte Seelen“, „junge Seelen“, „Fortgeschrittene“, „Anfänger“ und Ähnliches zu abstempeln oder zu behaupten, dass der Weg anderer „egobasiert“ und nicht „herzzentriert“ sei.

Das Kernproblem


Während sich spiritual bypassing auf die vielen von mir aufgelisteten Weisen und noch zahlreichen anderen zeigt, ist das Kernproblem, das ich genauer unter die Lupe nehmen möchte, unsere Tendenz, das Dunkel – ob wir es nun in uns selbst, in jemand anderem oder in der Welt im Großen und Ganzen wahrnehmen – zu ignorieren, zu leugnen, zu vermeiden oder hart zu verurteilen. Was eine potenziell verwirrende Frage aufwirft: 

Brauchen andere Menschen und die Welt tatsächlich unser Licht?

Viele spirituelle Lehrer und Philosophen würden uns sagen, dass die Antwort ein nachdrückliches Nein ist. Sie sagen, dass wir, wenn wir das Licht in uns selbst kultivieren, dies in erster Linie für unsere eigene Entwicklung tun. 

Betrachten wir ein Metapher, so unvollkommen sie auch sein mag, aus der Natur: Jede Pflanze auf einem Feld wendet sich der Sonne fast ausschließlich auf der Grundlage ihres eigenen, einzigartigen Seinszustands zu, ihrem physischen Zustand, der Beschaffenheit des Bodens, ihrer Position relativ zur Sonne und so weiter. Jede wächst gemäß ihrer eigenen Natur und Notwendigkeit. 

Dies ist die Haltung, die der berühmten Weisheit von Mahatma Gandhi innewohnt: Wir müssen die Veränderung sein, die wir in der Welt sehen wollen. Unser Licht ist an uns zu kultivieren. Wir haben genug damit zu tun, uns selbst zu entwickeln, ohne uns Sorgen darüber zu machen, wie es allen anderen geht. 

Dennoch steckt in Gandhis Aussage auch der Lohn der Selbstverbesserung: Wie jeder von uns sich selbst kultiviert, bestimmt die Gesundheit und Schönheit des gesamten Feldes. Eine einzelne Pflanze macht noch kein Feld aus. So trägt unsere primäre Arbeit als Individuen zum Zustand des Kollektivs bei. Wenn jeder von uns stark und widerstandsfähig wird, können wir einzeln und kollektiv besser gedeihen – egal ob wir uns in einer fruchtbaren oder einer verwüsteten Umgebung befinden.

Die Welt braucht es von uns, dass wir die spirituelle Seelenstärke kultivieren, das Dunkel zu erfahren, ohne übermäßige Angst zu verspüren; ohne zu versuchen, es zu verbannen, oder in Panik zu geraten. Die eigentliche Praxis besteht darin, zu lernen, das, „was ist“, ohne Vorbehalt zu akzeptieren. Um die Autorin Lysa TerKeurst sinngemäß zu zitieren: Wir müssen nicht die Retter der Welt sein; wir müssen nur bereit sein, mit der Welt in all ihrer wunderschön hässlichen Realität zusammenzusitzen.

Wenn wir uns einseitig dem Licht zuwenden...

machen wir die Dunkelheit zu einem Gegenpol, anstatt sie als Ergänzung zu begreifen. Unser Impuls schlägt in Widerstand um: Wir wollen sie ignorieren, leugnen, uns gegen sie auflehnen oder sie bekämpfen. 

Doch wie uns C.G. Jung, der Begründer des Konzepts des unbewussten Schatten-Ichs, warnt: Wenn wir uns weigern, unsere eigene innere Dunkelheit (und damit auch die der Welt) anzuerkennen oder zu erforschen, verleihen wir ihr Macht über uns: 

„Jeder trägt einen Schatten, und je weniger er im bewussten Leben des Einzelnen verkörpert ist, desto schwärzer und dichter ist er.“ Mit anderen Worten: Was wir an unserer eigenen Schwere, und der der Welt, zu meiden suchen, bleibt nicht nur bestehen, sondern neigt dazu, sich noch zu verstärken.

Wenn wir die Dunkelheit lediglich als Abwesenheit von Licht betrachten, oder irrtümlicherweise als dessen Gegenteil statt als dessen Ergänzung, verkennen wir die Tatsache, dass sie eine ganz eigene Schönheit in sich trägt. Sie ist mit vielen jener tiefgreifenden, lebensspendenden Qualitäten verbunden, die wir auch dem Licht zuschreiben: Schöpfung, Reifung, Fruchtbarkeit, Tiefe, Vorstellungskraft, Inspiration, Wandlung und Offenbarung. 

Hören wir auf, das Dunkle zu umgehen

Dann hören wir auch auf, gegen die Realität anzukämpfen. Wir gewinnen die Freiheit, die Dunkelheit zu erkunden und uns vielleicht sogar spielerisch auf sie einzulassen. Es bedarf einer geradezu schonungslosen Ehrlichkeit, um jene spirituelle Kraft zu erlangen, die es uns ermöglicht, die komplementäre Natur des menschlichen Daseins – mit all seiner Erhabenheit und seinem Leid – gelassen zu erfahren und das „Was-ist“ anzunehmen. Zwar ziehen wir es – ganz natürlich und vernunftgemäß – vor, das Licht zu erleben, doch das Ausweichen vor der Dunkelheit unterdrückt die essenzielle Arbeit der Selbstreflexion. 

Unsere Spiritualität gerät so eher zu einer Verleugnung als zu einer Würdigung unserer komplexen Natur. Auf diese Weise fungiert das „spirituelle Ausweichen“ (spiritual bypassing) bestenfalls als Bewältigungsmechanismus, schlimmstenfalls jedoch als schiere Weigerung, uns auf den Schmelztiegel der Realität einzulassen.

Bereitschaft, in jener Dunkelheit zu verweilen

Der Prozess der spirituellen Wandlung, der oft lediglich oder vorwiegend als Hinwendung zum Licht begriffen wird, erfordert tatsächlich die Bereitschaft, in jener Dunkelheit zu verweilen, die in uns wohnt. Dies ist die sprichwörtliche „dunkle Nacht der Seele“. Es handelt sich um eine Art schamanischen oder mystischen Abstieg – einen Weg, der nicht von Bangigkeit, sondern von Erwartungsvolleit geleitet wird. 

Die Dunkelheit hat, ebenso wie das Licht, ihren Sinn und ihre Funktion. Sie besitzt eine eigene, transformierende Strahlkraft, denn sie ist kein konturloses, steriles Nichts, sondern ein Raum voller Intensität und Kraft. Wenn wir bereit sind, ohne Urteil oder Angst zu erforschen, wie die Dunkelheit in uns wirkt, können wir sie für unsere eigene Entwicklung nutzen – auch wenn dies gewiss kein leichtes Unterfangen ist. Doch je vertrauter uns unsere eigene Dunkelheit wird, desto weniger Gefahr laufen wir, zu verzweifeln, wenn wir ihr bei anderen oder in der Welt begegnen.

Es stimmt, was der verstorbene Wayne Dyer so treffend formulierte: „Man kann das Licht nicht entdecken, indem man die Dunkelheit analysiert.“ Ebenso wahr ist, dass sich die meisten spirituellen Traditionen an der Weisheit von Maharishi Mahesh Yogi orientieren, der lehrte: „Bekämpfe nicht die Dunkelheit – bringe das Licht, und die Dunkelheit wird verschwinden.“ In bestimmten Zusammenhängen stimme ich beiden Ansichten zu. 

Mein eigentlicher Punkt ist jedoch, dass wir weder im Licht leben noch selbst das Licht sein können, wenn wir nicht bereit sind, uns zunächst der Dunkelheit zu stellen. Die Realität ist, dass niemand von uns allein genug Licht bringen kann, um die Dunkelheit der Welt vollständig zum Verschwinden zu bringen. Keine einzelne Gestalt – weder Christus noch Buddha noch Mohammed – besaß genug Licht, um das Dunkel dauerhaft aus unserem menschlichen Dasein zu verbannen. 

Was sie jedoch taten, war, es anzuerkennen, sich ihm zu stellen und uns aufzufordern, dasselbe zu tun. Keiner von ihnen hätte eine spirituelle oder religiöse Revolution ausgelöst, indem er einfach so getan hätte, als existiere das Dunkel nicht; gerade die Spannung zwischen Licht und Dunkelheit ist es, die ihre Philosophien auszeichnet.

Letztlich ist „Spiritual Bypassing“ ein Ausweichen vor – oder eine gänzliche Verweigerung von – jener schwierigen Aufgabe, die hellen wie dunklen Aspekte menschlicher Erfahrung nicht nur zu integrieren, sondern auch zu würdigen. 

Es bedeutet, eine grundlegende Wahrheit über das Selbst und das Universum zu vergessen: Wachstum, Wandlung und jede Form von Bewegung setzen Kontraste voraus. Der Künstler Bob Ross brachte dies im Hinblick auf die Malerei wunderbar auf den Punkt: „Setzt man Licht neben Licht, erhält man nichts. Setzt man Dunkelheit neben Dunkelheit, erhält man nichts. Erst der Kontrast von Licht und Dunkelheit verleiht dem jeweils anderen seine Bedeutung.“ 

Im Grunde ist „Spiritual Bypassing“ eine Form von Sentimentalität. Es fungiert als emotionaler Schutzschild, der uns den Blick auf die ungeschönte Realität verstellt und die wunderbare, bisweilen schmerzhafte Komplexität des Menschseins und unserer Welt auf simple, bequeme Gegensätze reduziert. Auf diese Weise hemmt oder blockiert es unsere Entwicklung, anstatt sie zu fördern.

19. August 2026

Qi Gong im Herbst


Der Spätsommer ist längst da. 
Der Herbsteinfluss wird deutlich spürbar. 

Wir werden der Jahreszeit entsprechend mit Übungen den Fokus auf die Unterstützung von Immunsystem und Atemfunktion richten.

Es geht wieder los ab:

Di., 08. Sept. 19:30-20:30 Uhr
(in der Physio-Praxis Mechelinck)

Mi., 09. Sept. 19:30-20:30 Uhr
(Raderbroich)

Do., 10 Sept. 10-11 Uhr
(Raderbroich)

Jeweils 10 Termine
mit Pause über die Schul-Herbstferien 
in KW 43 und 44.

(Für Neueinsteiger eignet sich der Kurs, der über die Physio-Praxis Mechelinck läuft. Bei zeitiger Anmeldung dort, ist manchmal noch ein Platz frei, bzw. gibt es eine Warteliste.)


19. Juli 2026

Agua de Florida

 

Agua de Florida ist  ein Duftwasser mit langer Tradition. Die Rezeptur und Anwendung hat ihren Ursprung in Peru. Es ist ein fein duftendes Heilwasser, das als liebevolle Gabe zum Dank an Pachamama, Mutter Erde und die Natur, zurückgegeben wird.  

Florida Water, Murray & Lanman, c. 1870-1900,
Unknown artist(s), Public domain, via Wikimedia Commons
 

Typisch ist ein luftig-leichter Zitrusduft mit sanft-blumiger Süße, der durch Nelke und Zimt eine warme Note bekommt:

Herstellung 

Blüten und Kräuter werden in Alkohol  ausgezogen, um deren Duft zu extrahieren: 

  • reichlich Zitrusschalen (ungespritzt!)
    von ca. 2-3 Zitronen und 1 Orange, 
    evtl. Mandarine, Grapefruit,
    sorgfältig mit dem Zestenreißer schälen, 
    es darf keine weisse Innenhaut oder Fruchtfleisch dran sein 
  • Frische, oder getrocknete Blüten:
    Rosenknospen, 
    Lavendel-, Jasmin-, Orangenblüten
  • Gewürze und Kräuter:
    1  Zimtstange, grob zerbrochen,
    3 Nelkenknospen, 1 angestoßene Kardamonkapsel,
    evtl. 1-2 Pimentkörner, 1 Lorbeerblatt,
    unkonventionell, aber interessant wären auch Vanille, Tonka, Rosmarin, Salbei

Probiere  aus, was Du magst.  Jeder neue Ansatz wird einzigartig. 

Als Basis dient in Peru Pisco, ein lokaler, hochprozentiger Weinbrand. Wir können alternativ beliebigen, hochprozentig gebrannten Alkohol nehmen mit mind. 40% vol., dessen Duft und Aroma für uns passt. Kirschwasser, Rum, Gin oder Trester,  jedes fügt eine eigene  Note hinzu. Oder wir nehmen neutralen Aufsetzschnaps oder Wodka.

Alles zusammen in ein 0.5 Liter fassendes,  mit Gummiring dichtschliessendes Weckglas geben und mit Hochprozentigem auffüllen. Mindestens die Hälfte bis Zweidrittel des Glases sollte mit Zitrusschalen, Blüten und Kräutern locker geschichtet sein. 

Das Glas an einem warmem, lichtgeschützten Ort (Küchenschrank) stehen  lassen. Am besten alle paar Tage kräftig durchschütteln. Es sollte mindestens einen Mondzyklus reifen dürfen.

Dann wird das Duftwässerchen durch ein feines Stahl-/Puderzuckersieb abfiltriert. Soll es später über einen Zerstäuber verwendet werden, nochmals durch einen Papier-Tee- oder Kaffeefilter feinfiltrieren. 

Verwendung 

Traditionell wird Agua de Florida von Heilern und Priestern zur spirituellen Reinigung, Heilung und Erfrischung in Zeremonien verwendet. Das Anwendungsspektrum ist vergleichbar zur Räucherung, nur lässt  sich  das Agua de Florida überall einfach und sicher anwenden.

Verwendet wird es pur zum Reinigen und Desinfizieren, z.B. von Gegenständen. 

Meist jedoch wird es mit Wasser verdünnt. Am einfachsten lässt es  sich mit einer Sprühflasche vernebeln. So kann es als natürlicher Duft im Raum und als Naturparfum auch auf Haut, Haar und Kleidung versprüht werden. (Achtung, je nach Zusammensetzung und Konzentration kann es Flecken hinterlassen.)

Florida Water 

Bei kommerziell vertriebenen Produkten handelt es sich dagegen meist um ein Eau de Cologne, zumindest teilweise aus synthetischen Stoffen hergestellt und selten naturrein.  

Auf dem amerikanischen Kontinent wird es als "Florida Water" des Parfumeurs Murray seit 1808 verkauft.  Berühmt ist es spätestens seit dem Erfolg des Buches  "Vom  Winde verweht", in  dem Scarlett  O'Hara von ihrer  Mutter erklärt bekommt, dass Florida Water  das einzige sei, das ein Gentleman seiner Angebeteten schenken dürfe.


23. Juni 2026

Feuerjahr mit feuriger Sommerhitze

 

Jahr für Jahr kommt  der Sommer,  mehr oder weniger deutlich spürbar ab Mitte Mai. Doch kein Sommer gleicht dem vorigen, jeder hat seine eigenen Nuancen. 

In diesem Feuer-Jahr neigt alles, auch das Klima, zu hitzigem, dynamischem Exzeß:


(Photo von Arkadius Neumann, Pixelio)

Sommer 

Die drei Sommermonate Mai, Juni und Juli werden durch die Energie des Feuers belebt. Sie stehen in Zusammenhang mit Wachstum, Blüte und Reifen. Das Herz-Qi ist erfüllt von Feuerenergie, die uns aktiv sein lässt, uns nach draussen treibt, Kontakt und Kommunikation erleichtert. 

Feuer ist das Symbol für Yang schlechthin, für den Sommer. Noch mehr gilt das im Jahr 2026, wenn sich in das yangigen Feuerjahr mit dem feurige Pferd als Symbol der Dynamik verbunden hat. 

Solche Feuerjahre bringen heftige Impulse, Umbrüche, schaffen Raum für Neues. Und wir sehen überall Hitzigkeit, Heftigkeit, plötzliche Hyperaktion. Besonders in diesem Sommer sollten wir uns die folgenden Verhaltenstips zu Herzen nehmen: 

Zugluft erzeugt "Wind in den Leitbahnen"

Der Kopf ist der Treffpunkt aller Yang-Leitbahnen. Deshalb sollte er vor allem vor Windeinfluss gut geschützt werden. Im Schlafzimmer sollten wir Zugluft über dem Bett, v.a. am Kopfende vermeiden, um gesund zu bleiben. Meiden wir vor allem den eiskalten Wind, den Klimaanlagen in den Raum oder sogar  auf den Körper pusten, gerade im Auto oder am Arbeitsplatz.

Während der Sommermonate ist es förderlich, täglich 100-200 Male die Kopfhaut zu bürsten. Hierbei sollten wir eine gute Bürste verwenden, um die Kopfhaut nicht zu verletzen. Ausserdem sollten wir das an einem windstillen Platz machen. 

Diese einfache Technik vertreibt Wind aus den Leitbahnen und klärt die Augen. "Wind in den Leitbahnen" erzeugt z.B. Symptome,  die wir modern z.B. als Heuschnupfen und Allergien bezeichnen.  Doch  

Wind-Invasion 

provoziert auch ausgesprochen unangenehme Symptome. Darunter versteht die Chinesische Medizin z.B. Symptome, die plötzlich erscheinen, wandern, kommen und gehen wie der  Wind. Typisch sind die "plötzlich und  heftig" auftretenden  Virus-Erkrankungen.
 
Wenn sich jemand nach einem kalt-kühlenden Abendessen mit verschwitztem Körper an einem ungeschützten Ort zur Nachtruhe begibt, entstehen leicht Syndrome durch Wind-Blockade mit Taubheitsgefühlen in Armen und Beinen, Sprachstörungen, und Lähmungen (westlich-modern sprechen wir von  Schlaganfallgeschehen, Neuralgien, etc).

Sommerhitze, aber Kälte-Durchfall

Im Kontrollzyklus der Beziehung zwischen den Wandlungsphasen kontrolliert Feuer das Metall. Metallenergie regiert die Lungen, und der zugeordnete Geschmack für das Netzwerk der Lungen ist das Scharfe. Im Sommer sollten wir bittere Speisen reduzieren, aber den scharfen Geschmack zur Nährung der Lungen bevorzugen.

Doch Vorsicht, die Dosis ist wichtig. Zu scharf sollten die Speisen nämlich nicht sein. Die meisten scharfen Gewürze sind zugleich stark erhitzend, wie z.B. Chili/Cayenne. Das schlägt ins Gegenteil um und führt durch die zu offenen Poren letztlich zur Auskühlung.

Wenn die Sommerhitze ihren Höhepunkt erreicht, neigt das Verdauungssystem leicht zu Erkältung. Die äussert sich oft in Form von Durchfällen. Typisch passiert das auf Reisen, meist durch eisgekühlte Getränke, Klimaanlagen etc.

Während dieser Zeit ist es sogar besonders ungünstig, einen solchen Kälte-Durchfall zu bekommen, weil der Körper damit wertvolles Yin-Qi verliert. Denn das Yin-Qi ist gerade zur Kühlung des Organismus wichtig.

Noch besser ist natürlich, damit zusammenhängende Symptome ganz zu vermeiden, in dem wir gerade während der Sommerhitze bewusst:

Wärmende Speisen essen
und kalte Getränke meiden!

Während der Sommersonnenwende beginnt die winterliche Yin-Energie ihre erneute Rückkehr, wenn auch zunächst im Verborgen zur mitternächtlichen Stunde. 

Zur Unterstützung sollte man deswegen in der Sommerzeit ein tonisierendes Dekokt für die Nieren zu sich nehmen. Das Herz ist zu dieser Zeit am überlaufen. Die Nieren jedoch haben ihre schwächste Phase. 

Tip:
Die als Yogi-Tee im Handel bekannten Mischungen Classic, Lakritz und Lemon Mint bieten sich als sommerlich-tonisierende Tees an, mit fruchtig-scharfen, aromatisch, würzigem Geschmack aus Zimt, Kardamom, und weiteren Gewürzen.


Trotz aller Hitze im Sommer ist es also völlig unangemessen, sich den Bauch mit (Eis-)gekühlten, kalten und gesüßten Getränken, wie Bier, und kalt-kühlenden Speisen, Nudeln und Backwaren vollzuschlagen. Auch sehr Yin-reiche Nahrungsmittel, wie Auberginen und Rohkost, essen wir nur in kleinen Mengen.

All das führt zu Kälte im Verdauungstrakt. Die Folge sind die typischen sommerlichen Magen-Darm-Infektionen.  

Das Herz beruhigen

Fast noch wichtiger ist es zur Sommerzeit, seine Atmung zu regulieren und das Herz zu beruhigen. Die Vorstellung von Eiskristallen in Herz oder Magen würden eher die Hitze dort richtig aufflackern lassen, statt sie zu vermindern.

Es ist keineswegs so, dass heisse Dinge immer die Hitze fördern und Kälte kühlt.  So regt die eiskalte Dusche bei Hitze die Blutzirkulation an. Nach der ersten Abkühlung wird einemeher noch wärmer. Eine lauwarme Dusche dagegen kühlt sanft und beruhigt.
 
Natürlich bekommt nicht jeder gleich Symptome. Eine Person ist anfälliger, dem Anderen scheint alles nichts auszumachen. Eine Erklärung dafür... (hier weiterlesen.) 
 

Basierend auf Heiner Frühaufs englischer Übersetzung des Klassikers von Gao Lian, Zunsheng bajian, "Eight Pieces On Observing the Fundamental Principles of Life" 

 

30. März 2026

Der Wechsel und Wandel der Wechseljahre


Der Wechsel und Wandel der Wechseljahre ist ein Thema, das oft unterschätzt wird, von den betroffenen Frauen so gut es geht verdrängt und von der Schulmedizin total vernachlässigt wird, bzw. medikamentös  mit Hormonersatz unterdrückt.

Dazu gibt es mittlerweile auch endlich Lesestoff von Frauen für Frauen. Das Buch einer Frauenärztin hat es sogar auf die Bestsellerlisten geschafft (Dr. Sheila de Liz, Woman on Fire). 

Selbst Gynäkologen haben meist wenig Ahnung (und noch weniger Zeit, den Patientinnen etwas zu erklären) Das liegt daran, dass die Wechseljahre in der Facharzt-Ausbildung nur ein Randthema sind. In der Medizin-Forschung sind sie fast gar nicht thematisiert.

Per Zufall bin ich über eine gut gemachte, sehr informative "Graphic Novel" gestolpert, die gerade frisch erschienen ist. Viele Fragen werden einfach und verständlich erklärt:

 

Titel
Rinah Lang, PeriMeno,
Carlsen-Verlag

Denn das meiste, das im Körper einer Frau nach  der fruchtbaren Phase passiert, ist bis heute unbekannt oder erscheint unlogisch. Die Ursache der bekannten Hitzewallungen z.B. sind physiologisch bis heute ungeklärt, sogar eigentlich sehr widersprüchlich zu den bekannten Abläufen. Dabei sind die Hitzewellen, auch aus eigener Erfahrungsogar sehr Kraft zehrend und anstrengend. Sie sind alles andere als witzig, sondern nur mit Humor zu ertragen.

 

Ebenfalls unerklärlich ist, warum viele Frauen unter vielen, komplexen Symptomen leiden, andere nur minimal betroffen sind. Was wir jedoch wissen, ist, dass sich das  gesamte Hormonsystem tiefgreifend verändert. Das beeinflusst den Organismus von Organfunktionen über den Bewegungsapparat bis zu den Emotionen. 

  

 

Immer wieder fragen mich Frauen in der Therapie, was da eigentlich in dieser Lebensphase im Körper passiert, wie all das das zusammenhängt und was sie selbst tun können. Darauf gibt es leider keine einfache, schnelle, allgemeingültige Antwort. 

 

Je nach Phase, Lebensumständen, Symptomen und Bedürfnissen müssen wir auch die Unterstützung anpassen. Es braucht das richtige Mittel zur richtigen Zeit für die passende Patientin. Nur mit Hormon-Tabletten-Verschreiben ist es definitiv nicht getan. 

Es gibt auch kein alternatives, pflanzliches Mittel, das immer nebenwirkungsfrei passt. Der Schuss kann auch nach hinten losgehen, wenn blind jeder Patientin das gleiche Präparat empfohlen wird. 

Wir wissen auch, dass in Gesellschaften, deren Lebensweise (noch) sehr naturverbunden ist, die Frauen keine Beschwerden mit diesem Übergang haben. Das liegt keineswegs an anderer "Genetik", sondern an einem anderen Weltbild von sich als Frau. 

In diesem Buch gab es glatt auch ein Wiedersehen mit einer lieb gewonnenen Kolleginnen und Lehrerin:

Kaouthar lehrt und ermutigt Frauen allen Alters, zu wagen FRAU zu sein. Statt uns gerade im Beruf an männlichen Attributen zu orientieren, sollten wir besser verstehen, dass wir Qualitäten haben, die unsere maskulin geprägte Geschäftswelt dringen braucht. 

Emanzipation heisst nämlich nicht, maskuliner und tougher aufzutreten, als die Männer. Finden wir durch Tanzen, durch QiGong, o.ä. in spielerischem Miteinander unseren eigenen Ausdruck. So folgen wir dem Weg unserer Bestimmung als weibliches Wesen, weder besser noch schlechter, sondern auf andere Weise.

Das heisst auch, lernen Rücksicht zu nehmen, zu erst auf sich. Das bedingt auch auf andere zu achten. Die meiste Unterstützung können sich die Frauen sogar selbst geben, indem sie ihren Lebenstil überprüfen und anpassen. Wer durch Familie und Job schon mächtig unter Druck steht, muss nicht auch noch (Leistungs-)Sport ausüben oder den Körper durch Fehlernährung zusätzlich belasten.

Neugierig geworden?
Es lohnt sich. An manchen Stellen erkenne ich fast meine eigenen  Worte wieder, als wäre die Autorin bei mir Patientin. Hier sogar druckreif illustriert zum Nachlesen! 

Hier im Kulturkaufhaus bestellen oder im Buchhandel.

 

 

 

 

 

QiGong nach Ostern


Ab dem 14. April üben wir wieder gemeinsam:

4x in Folge 
bis zum 07. Mai.

Dann ist Pfingst-Pause.

Ab dem 09. Juni geht es weiter,
über 6 Termine bis zum 16. Juli.

 

18. Februar 2026

Schilddrüsen-Medikamentation

 

Die Bestimmung des TSH-Wertes ist Teil der routinemässigen Blutuntersuchung in den Hausarzt-Praxen. 

Doch bei vielen Patienten wird vorschnell die Diagnose einer  Schilddrüsen-Unterfunktion gestellt und mit dem Schilddrüsen-Hormon behandelt. 

Dabei bräuchten ca. 25% der Patienten, die ein Schilddrüsen-Hormon verschrieben bekommen, dieses gar nicht.  

Ältere Patienten 

Gerade ältere Patientinnen bekommen oft seit Jahrzehnten immer die gleiche Dosis verschrieben. Überprüft und angepasst wird selten bis gar nicht. 

Dabei  schadet die Hormongabe sogar all zu oft. Wird der TSH zu sehr gesenkt, erhöht sich z.B. das Risiko für Vorhofflimmern.

Schilddrüsenknoten  

Vor Jahrzehnten war es auch üblich, jeden zufällig gefundenen Schilddrüsenknoten immer mit Hormongaben zu behandeln. Doch längst nicht jeder Patient hat von der Medikamentation profitiert. Heute beobachtet man diese zunächst und wartet ab. 

TSH-Wert 

Ein erhöhter TSH-Wert KANN ein Hinweis auf Unterfunktion sein, der allein allein kaum Aussagekraft hat. 

Der TSH-Spiegel schwankt je nach Bedarf im Körper. Je nach Tageszeit, Jahreszeit, bei Schlafmangel, Streß, körperlicher Anstrengung, Infektionen oder auch bei Übergewicht verändern sich die Werte. 

Entscheidend für die Diagnose von Schilddrüsen-Störungen sind daher nicht Routine-Laborwerte, sondern immer die Symptomatik des Patienten! 

Überfunktion per Rezept 

Wenn weder Symptome einer Unterfunktion, noch wirklich eine vorliegt, wird per Medikament eine Überfunktion per Rezept erzeugt.  

Die führt im besten Falle zu "harmlosen" Symptomen wie innerer Unruhe und Nervosität. Doch Schlaflosigkeit, erhöhter Blutdruck bis hin zu Vorhofflimmern sind ernste Symptome. 

Leider wird in der Praxis dann meist nicht die unsinnige Thyroxin-Tablette in Frage gestellt. Sondern es werden Medikamente mit weiteren Nebenwirkungen verordnet, um die Nebenwirkung des überflüssigen Medikamentes zu kontrollieren!

Unterfunktion

Bestehen Symptome, die einen berechtigten Verdacht auf Unterfunktion begründen, müssen daher immer mehrere Labor-Werte bestimmt werden, um den Verdacht zu bestätigen. Ausserdem sollten die Werte über längere Zeit beobachtet werden.

Dazu gehören die freien Schilddrüsenhormone t3 und t4,  die Leberwerte und eine Ultraschalluntersuchung des Organs. 

Auch der Nachweis von Antikörpern gegen das eigene Schilddrüsengewebe (TPO-Ak, TG-Ak und TRAK) sollten  dann mitbestimmt werden. Denn immer häufiger steckt eine Autoimmun-Erkrankung der Schilddrüse hinter den Symptomen:

Hashimoto-Thyreoditis

Diese Auto-Immun-Erkrankung kann sowohl zu Über- als auch zu Unterfunktion der Schilddrüse führen. Denn je nach stressbedingter Belastung wechseln die Phasen hin- und her. 

Und nicht jeder Patient mit M. Hashimoto befindet sich z.B. in der Unterfunktion, wenn er chronisch übermüdet ist. Manchmal steckt schlicht Schlafmangel dahinter, wie bei einem meiner Patienten.

Eine Hormonbehandlung verschlechtert dann die Symptome und facht das Autoimmungeschehen zusätzlich an!

Behandlung von SD-Störungen

Zur Behandlung sowohl einer Über- als auch der Unterfunktion braucht es also immer viel mehr als nur Routine-Labor.  Dazu braucht es auch eine gute, vertrauensvolle Zusammenarbeit des Behandlers mit dem Patienten.

Der Patient muss lernen, im Alltag seine tatsächlichen Symptome gründlich zu beobachten.  Der Arzt muss  sich die Zeit nehmen, diese mit dem Patienten zu besprechen.  

Auch die Anpassung an die tatsächlich notwendige Hormon-Dosis muss in kleinen Schritten unter Kontrolle und über längere Zeit erfolgen.

Ausserdem muss sie je nach Lebensphase neu angepasst werden. Ob Wechseljahre und Schwangerschaft bei Frauen oder Pensionierung bei Männern, all dies verändert den Hormonhaushalt im Organismus!

NICHT einfach absetzen!

Vorsicht, auch Schilddrüsen-Hormone (wie viele andere verschreibungspflichtige Medikamente) dürfen keinesfalls einfach abgesetzt werden. 

Der Organismus fällt dann in eine plötzliche Unterfunktion, die  durchaus nicht  nur unangenehm werden, sondern durchaus zu ernsten Symptomen führen kann.