(aktualisierte Version, Feb. 2026)
Wohin man hört und liest (und das muss noch nicht mal eines der kostenlosen, verkaufsfördernden Industrieblättchen für ältere Patienten sein) sein, leidet mindestens jeder Zweite unter Vitamin-D-Mangel.
Auch Autoimmunerkrankungen und Depressionen sollen auf Vitamin-D-Mangel zurückzuführen sein. Bei vielen Krebsarten soll es angeblich eine Rolle spielen.
Daher am besten schnell Tabletten nehmen
- ?
Halt!
So einfach ist das nicht!
Mit der medikamentösen Ergänzung ist es leider nicht getan, weil
wir nur eine Vorstufe schlucken können:
Bei diesem Vitamin handelt es sich nämlich eigentlich um ein Hormon. Per Tablette können wir nur eine Vorstufe zuführen. Das eigentliche Hormon muss der
Körper selbst bilden.
Für die Bildung des Hormons spielen vor allem genug Vorstufe in Kombination mit natürlichem Sonnenlicht, Bewegung, aber auch
Alter und Gesundheit von Leber und Niere eine entscheidende Rolle.
Ohne Sonne keine Verwandlung in die aktive Form
Dazu braucht der Organismus natürliches UVB-Licht. Auch hier liegt die Betonung auf natürlich!
Solarium
als Ersatz liefert nicht das dafür benötigte Vollspektrum. Die Wirkung des Sonnenlichts auf den Menschen lässt sich auch
nicht nur auf die Vitamin-D-Bildung reduzieren. Ebenso ist die
innere Regulation im Körper stark sonnenlichtabhängig, nicht nur von Hormonen.
Übrigens, auch der
Schlaf-Wach-Rhythmus, der ebenfalls für das Immunsystem, aber auch für
das Lernen und die Konzentration von großer Bedeutung ist, wird durch
die Aufnahme von Sonnenlicht durch das Auge angeregt.
Am
meisten gefährdet von einem Mangel sind daher all diejenigen, die sich generell zuwenig im Freien aufhalten, z.B.
gehbehinderte Patienten in Kliniken; Menschen, die nur Nachtschichten
arbeiten oder auch stubenhockende Computer-Kids/Nerds.
Die Sonnenintensität und -dauer im Winter ist aber schwach, und wir mögen jetzt auch nicht gern mit freiem Oberkörper im Garten
sitzen, brrrr...
- haben wir also alle einen behandlungsbedürftigen Mangel im Winter?
Definition eines Mangels
Die Laborwerte beziehen sich
auf einen jahreszeitlich konstanten, künstlich definierten Idealwert. Aber selbst bei gesunden, gut versorgten Menschen schwankt der Wert
im Lauf der Jahreszeiten.
Normal und "gesund" ist sogar, zum Ende des Winters um Februar die niedrigste
Werte zu haben. Darauf ist unser Körper auch eingerichtet, denn er speichert sich die Vorstufe in den Sonnenmonaten für den Winter. Deswegen haben wir nicht alle gleich Mangel im Winter und schon gar nicht gleich Mangelerscheinungen.
Wie hätten sonst Menschen seit Jahrtausenden Regionen besiedeln können, die noch höher im Norden liegen als hier? Vor der Zeit der industriellen Pillen-Produktion müssten dann ja alle Skandinavier schwere Osteoporose gehabt haben.
Es ist nämlich nicht möglich, genaue Aussagen über den tatsächlichen Bedarf zu machen. Noch weniger über einen Bedarf, der pauschal für alle, am besten als einfach zu bestimmender Laborwert!
Der echte Bedarf ist zusätzlich von vielen Faktoren abhängig, z.B. von der Qualität der Ernährung, dem Alter, Geschlecht, Vorerkrankungen.
Normwerte eignen sich also nur zur groben Orientierung. Schon gar nicht muss jeder, der etwas unter dem rein hypothetischen Normwert liegt, gleich Tabletten nehmen.
Richtig ist vielmehr, dass die meisten Menschen, die über einen ausreichend hohen Vitamin-D-Spiegel verfügen, zumeist auch einen wesentlich gesünderen Lebenrhythmus und Lebensstil haben mit ausreichend Bewegung an frischer Luft und ausgewogener Ernährung.
Viel wichtiger ist also, den erniedrigten Laborwert als Anregung zu nehmen, seine Gewohnheiten zu ändern und öfters raus in die Sonne zu gehen, sowie seine Ernährungsgewohnheiten zu überdenken.
Mangel-Ernährung?
Denn
alle vom Körper benötigten Vitamine, Mineralien und Vorstufen nehmen
wir am effektivsten über frisches Gemüse auf. Bei allen Diskussionen um
die Qualität von bio- oder konventionellem Anbau, und ob das Gemüse noch
dieselbe Menge an Vitalstoffe enthält wie früher...
- die meisten Menschen
essen schlicht zuwenig frisches Gemüse der Saison und Region!
Frisches,
regionales Gemüse ist im Winter hierzulande sicherlich nicht sehr
abwechslungsreich. Aber gerade die typischen Wintergemüse wie Kohl,
Grünkohl und Sauerkraut enthalten sogar Vitamin-D-Vorstufe.
Ansonsten ist
Vitamin-D-Vorstufe auch in Eigelb, Butter und Milchprodukten enthalten,
die es bei uns das ganze Jahr gibt. Sie sollten allerdings nicht im Übermass
verzehrt werden, schon gar nicht aus Angst vor Vitamin-D-Mangel.
Zusammen
mit den empfohlenen drei Gemüse-basierten Mahlzeiten pro Tag, bekommt
der Körper genug davon, und zwar gemeinsam mit allen anderen
Vitalstoffen.
So ist z.B. Calcium zur Verstoffwechslung von Vitamin-D-Hormon und für die Knochenbildung genauso wichtig. Und auch das nehmen wir
besser über Gemüse als über Milch oder Vitamintabletten auf.
Behandlung durch Vitamin-D-Zufuhr
Die Einnahme von Vitamin-D-Hormon sollte nur in Absprache mit einem erfahrenem Arzt/Heilpraktiker erfolgen. Es gibt (wenige) medizinische Ausnahmen, die eine Zufuhr an Vorstufe sinnvoll machen.
Dabei sollten immer die Laborwerte, unter Umständen auch aus dem Urin, kontrolliert werden. Denn bei der Medikamentation kann es trotz labortechnisch scheinbarem Mangel an gebildetem "Vitamin"-D-Hormon
zugleich leicht zu einer Überdosierung kommen.
Deswegen ist die hochdosierte Zufuhr gar nicht so unproblematisch,
wie sie leider propagiert und praktiziert wird.
wie sie leider propagiert und praktiziert wird.
Meist unsinnige Vitamin-D-Tabletten
Ohne Sonnenlicht funktioniert die Aufnahme des Wirkstoffes aus den Tabletten jedoch immer noch nicht. Zur Verordnung des Medikamentes gehört also unbedingt die Empfehlung, täglich nach draussen zu gehen, am besten zur Mittagszeit.
Früher gab es in Sanatorien das verordnete Mittagsschläfchen an der frischen Luft, zu dem die Patienten schön warm eingekuschelt wurden.
Wie wäre es, wenn Sie Ihren Liegestuhl in der Mittagspause bei Sonnenschein nutzen, zusammen mit einer dicken Decke und der Wärmflasche?
Und was ist mit Sonne und dem Hautkrebs-Risiko?
Bei maßvoller Sonnenexposition überwiegt die schützende Funktion von Vitamin-D-Hormon in
der Haut die krebserregende Effekte des Sonnenlichts. 15-30 Minuten täglich reichen dafür übrigens bereits schon. (Ein Sonnenbrand sollte in jedem Fall vermieden werden!)
Zusammenhang mit dem Osteoporose-Risiko
Noch effektiver ist ein täglicher Spaziergang, am besten nach dem Mittagspäuschen.
Denn das Vitamin-D-Hormon spielt auch eine Rolle im Knochenstoffwechsel. Aber selbst bei Osteoporose sind die Medikamente weit weniger wichtig, als regel- und mässige Bewegung an der frischen Luft.
Und genau daran hapert es meist auch bei der Haupt-Risikogruppe für Osteoporose, den Senioren:
zuwenig Bewegung,
zuwenig frische Luft
und zu einseitiger Ernährung.
zuwenig frische Luft
und zu einseitiger Ernährung.
