27. April 2020

Herausforderung zu 40 Tagen Transformation


Dieser Artikel ist der dritte und letzte der "Miniserie zur Venus Rückläufigkeit:

40 Tage und Nächte

So lange sass der Legende nach Buddha unter dem Bodhi-Baum bis zu seiner Erleuchtung. So lange fastete Jesus einst in der Wüste und widerstand Satans Verführungen. Moses verbrachte 40 Nächte am Berge Sinai, um Gott zu lauschen, bevor er mit der Tafel der 10 Gebote zurück kam. 40 Tage dauert seit alten Zeiten die traditionelle Derwischklausur der Sufi.

Rückläufigkeit der Venus

Doch schon tausende von Jahren vor diesen Ereignissen waren 40 Tage und Nächste die Zeitspanne, die Ishtar als Königin des Himmels brauchte, um sich wieder und wieder vom Abendstern zum Morgenstern zu verwandeln. Dieses Wunder voll-zieht sich bis heute, wenn der Planet, den wir Venus nennen, scheinbar rückwärts am Himmel wandert. Alle 18 Monate aufs Neue bietet uns die Rückläufigkeit der Venus über sechs Wochen eine glückverheissende Zeit zur Veränderung  ins Positive und zur Erleuchtung. Doch typischerweise lesen wir heute in den gängigen Astrologie-Ratgebern eher: 

„Vorsicht: Es liegen Schwierigkeiten vor Ihnen betreffend alle Dinge, die Venus unterstehen. Sie wirbelt Beziehungen durcheinander, Geldangelegenheiten, Schönheit und Ihr Glück...(blablabla)“ 

Ja, Venus kann uns durchaus mit einer aufregenden neuen Liebe verlocken, die scheinbar alles bietet, was uns bisher gefehlt hat — bis wir merken, dass der Kerl schlimmer ist als alle vor ihm. Und vergessen wir die lange Verflossenen, die plötzlich wieder an unsere Türe klopfen — öffnen wir die Tür lieber nicht! Verschieben wir tunlichst alle Veränderungen unseres Aussehens noch eine Weile — die grüne Strähne gefällt uns meist nur vorübergehend. Und auch das sauteure Luxusding, mit dem wir liebäugeln — Finger weg, es wird uns mehr kosten, als es uns je wert sein könnte. Investieren wir jetzt unser Geld, werden wir vielleicht das letzte Hemd verlieren.

Das alles klingt gerade so, als würde Venus/Ishtar Jahr für Jahr in einer Lostrommel rühren, die immer die gleichen Schicksalslose ausspuckt. Das passiert, wenn wir das Heilige aus der Astrologie rauskürzen. Die Götter — die sich der Planeten bedienen, um uns Botschaften zu senden — sind heutzutage am mechanistischen Fliessband gefangen und scheinen all ihre Kreativität und Intelligenz verloren zu haben. Das ist der wahre Grund, warum all die Prophezeiungen über die Rückläufigkeit der Venus oft genug wahr werden. 

Wir tappen so leicht in diese unbewussten Fallen, weil wir die andächtige Annäherung an diese heilige Phase nicht mehr kennen. Gerade wenn wir die Bedürfnisse unserer inneren Venus vernachlässigen, dann können wir tatsächlich solch unglückliche Entscheidungen über unsere Finanzen oder unsere Liebe treffen. Ishtar/Venus, gibt bis heute das Grundmuster vor — aber mit reichlich Platz für wilde Kreativität!

Wie machen wir daraus das Beste?

Ganz einfach, in dem auch wir uns durch Introspektive innerhalb dieser 40 Tage und Nächte verwandeln. Nutzen wir diese Zeit der Unterstützung, um uns selbst in eine gesündere, verfeinerte, höherschwingende Version zu transformieren. Rumi, der Sufi-Mystiker des 13. Jhdt. schrieb:

Was neun Monate Aufmerksamkeit
für ein Embryo bewirken,

können für Dich 40 frühe Morgende sein,

die Dich schrittweise zur Ganzheit wachsen lassen.

Nehmen wir die 40-Tage-Herausforderung an!

Die 40 ist eine immer wieder auftretende magische Zahl. Genau genommen sind sind sechs Wochen bekanntlich 42 Tage. Der Kalender in dieser Präzision ist Mensch-gemacht. Wir sprechen hier jedoch über Rhythmen der Natur, d.h. mal mehr, mal weniger. Sprachwissenschaftler sind sich einig, dass immer wenn in der Bibel die Zahl 40 als Angabe für Tage oder Monate verwendet wurde, immer das Gleiche gemein ist, nämlich eine angemessene Zeitspanne vergehen zu lassen.

Die alten Ägypter und viele spirituelle Kulturen nach ihnen glaubten, dass es 40 Tage braucht, um nach dem Tod auf die andere Seite zu gelangen. Das ist auch die Zeit bis zum Sechswochenamt der Katholiken. Während der mittelalterlichen Pestzeiten mussten Schiffe 40 Tage vor Venedig ankern, bevor sie in den Hafen einlaufen durften. Quaranta giorni, 40 Tage in Quarantäne. (Auch hier wieder kein Zufall, dass wir uns auch gesellschaftlich in einer epidemischen Phase befinden...) Eine Mutter braucht 40 Tage im Kindbett zum heilen und regenerieren. Die Yogi sprechen von 40 Tagen bis eine neue Gewohnheit sich stabilisiert hat. Und der Prophet Mohammed lehrte, das 40 Tage Beten uns tief transformieren.

Wie läuft der Prozess ab?

Vielleicht haben wir sogar gerade fast keine andere Wahl. Zu der Zeit, in der die Rückläufigkeit ihren Schatten vorauswirft, wie gerade jetzt, sind wir von etwas Venusischem wie besessen und bereits Feuer und Flamme. Quirlige Emotionen sind immer ein Zeichen, dass die Göttin ihre Finger im Spiel hat. Doch wir haben immer eine Wahl: wir könnten ebenso mit Ishtars Stärke und geduldiger Ruhe herangehen. 

Wir können uns eine unglückliche Angewohnheit vornehmen, die wir loswerden wollen und stattdessen eine neue, wohligere Gewohnheit entwickeln. Oder wir können schrittweise einen langersehnten Meilenstein erreichen. Wir können unsere Mittel, Gelder, Liebe oder Kreativität nutzen, um eine Beziehung zu anderen zu vertiefen — und wir können uns selbst erleuchten und unsere Beziehung zu uns selbst verbessern.
(Ishtar/Ereshkigal von
Osama Shukir Muhammed Amin
FRCP(Glasg) CC BY-SA 4.0)

Die Stationen der Reise

Die folgende Tabelle beschreibt Venus/Ishtars Reise über die nächsten Wochen. Dabei müssen wir nicht wie eine Maschine exakt synchron funktionieren, schon gar nicht, wenn sie in der Unterwelt verweilt. 

Folgen wir lieber
unserem inneren Zeitgefühl
und bleiben wir im Fluss. 

Beobachten wir uns, wie wir ganz organisch dem Verlauf von Station zu Station folgen, vom Nach-Innen-Wenden, durch das Wachsen des Schatten, dem Lichtfunken, der neue Einsicht bringt, hin zum Sammeln frischer Stärke:

  • Seit 09. April
    wirft die kommende Rückläufigkeit der Venus bereits ihre Schatten voraus:


    Suchen und formulieren wir unsere Aufgabe für die Rückläufigkeit. Machen wir uns einen Plan zur Unterstützung. Nehmen wir uns zumindest eine Aktion vor, die wir täglich während der Rückläufigkeit als Ritual machen wollen. Und wenn es nur eine Kleinigkeit ist.
  • Am 12./13. Mai
    bleibt Venus stationär:


    Beginnen wir mit unserer Hingabe für die nächsten 40 Tage. Mit Venus im Zeichen Zwillinge ist z.B. Tagebuchschreiben (oder wie immer wir unsere Notizen nennen mögen) ein wunderbares Hilfsmittel, um unsere Veränderung zu beobachten.
  • Am 28. Mai
    verschwindet Venus als Abendstern aus der Sichtbarkeit:


    Nun beginnt die Reise Ishtars in die Unterwelt. Seien wir vorbereitet, denn wir werden unserem Schatten begegnen, falls dies nicht sogar schon geschehen ist. Der Schatten ist Ishtars verrückte Schwester, Ereshkigal.
  • Am 03. Juni
    steht Venus in Konjunktion zur Sonne:

    Ein fruchtbarer Moment, um den herum sich unsere Perspektive auf die Dinge verändert. Das mag uns zu neuer Klarheit führen.
  • Am 09. Juni
    erscheint Venus als Morgenstern:


    Dieser Moment wurde zu alten Zeiten von den Priestern aufmerksam erwartet, wenn Venus das erste Mal wieder über dem Horizont erscheint. Nähren wir die Stärke, die sich in uns sammelt und auszustrahlen beginnt.
  • Am 24. Juni
    ist Venus stationär:


    Zeit zum Feiern, wie weit wir gekommen sind! 
Auf dem Fundament unserer 40-tägigen Transformations-zeit können wir nun unsere Zukunft strategisch planen und bewusst neue Entscheidungen treffen.
  • Am 24. Juli
    Ende des post-rückläufigen Schattens:


    Ehrlich gesagt, scheint dessen Relevanz eher unrelevant, selbst zu alten Zeiten. Denn sobald Venus wieder sichtbar ist, besitzt sie schon die volle Stärke eines Kriegers.

Nehmen wir uns Zeit, unsere Absicht klar zu formulieren:

Diese sechs Wochen sollten wir mit Ehrfurcht vollziehen, wie jedes Ritual und Gelöbnis. Für manche Venus Rituale wird gefordert, sich einige venusische Objekte zu suchen. Die Magie dieser Gegenstände ist die Magie, die in uns selbst wirkt. Der Akt des Sammelns selbst ist es, der uns in die entsprechende Stimmung bringt. Ehrliche Reflexion bewirkt dasselbe.

Venus ist die Göttin des Vergnügens! 

Wollen wir eine Gewohnheit, wegen der wir uns schuldig fühlen, loswerden, müssen wir sicherstellen, dass wir sie durch etwas ersetzen, das uns Vergnügen bereitet, das uns gut tut. Wollen wir z.B. als neue Gewohnheit täglich Zeit für meditative Ruhe finden, dann wählen wir eine Form der Meditation, die wir lieben, auf die wir uns freuen. Wir können dazu über die 40 Tage auch immer wieder eine andere Meditation ausprobieren. Fühlt sie sich nach Pflicht an, ist es nicht die Richtige. Meist merken wir an einem inneren Glücksgefühl, sobald wir die für uns passende gefunden haben.

Ebenso machtvoll kann sein, täglich ein Gebet zu sprechen. Oder jeden Tag eine Notiz zu machen, wofür wir heute dankbar sind. Wir können die 40 Tage nutzen, um uns in Verzeihen zu üben. Was immer wir wählen, es sollte genug Herausforderung bieten, um uns zu verändern. Dabei sollte es uns jedoch leicht genug fallen, damit wir durchhalten! 

Die tägliche Übung ist das Boot,
das uns der grossen Prüfung entgegen fährt:

nämlich dem Schatten
unseres göttlichen Weiblichen
zu begegnen.
(Freie, leicht veränderte Übersetzung von Dana Gerhardt:
Transform! Why Venus Retrograde is Important

Dank an Dana für die freundliche Genehmigung
und vor allem für die immer wieder tief bewegenden und inspirerenden Lektionen!)



Schattenzeit, verzwickt und heilig!



Venus, der Abendstern, transformiert sich zum Morgenstern

— Seit Urzeiten eine heilige Zeit zur Verwandlung!

Warum der Schatten drauf wartet, uns den Kopf zurechtzurücken

Der Planet Venus läuft natürlich nicht wirklich rückwärts. Es ist nur eine Illusion am Nachthimmel aus irdischer Perspektive. In ihrem gemeinsamen Tanz auf ihren Umlaufbahnen rund um die Sonne passiert die Erde die Venus. Die Graphik zeigt, wie die kontinuierliche tägliche Vorwärtsbewegung aus Erdsicht eine solche Schleife bildet:

Rückläufigkeit aus Sicht der Erde
(B.Brondel CC BY-SA 3.0)

Wir sind wie fiebrige Träumer, die ins Metier der Trance der alten Weisen eindringen. Jetzt ist Zeit zur Introspektion. Das Beste, was wir tun können, ist uns für einige Zeit nach Innen zu wenden und die Aussenwelt aussen vor zu lassen. (Und, beschreibt das nicht genau den aktuellen Zeitgeist? Die detaillierte Anleitung zur rituellen Innenschau folgt im nächsten Beitrag.)

Wie seit C.G. Jung in der Psychologie bekannt, lauern dort die rohen Kräfte. Wir rühren am Unterbewussten, das wie ein Vulkan darauf wartet auszubrechen. Die Unterwelten und die Welten des Todes werden beherrscht von Ereshkigal, der Königin der grossen Erde (zu späteren, hellenistischen Zeiten Hekate genannt). Sie ist die ältere und mächtigere Schwester von Ishtar, der Königin des Himmels.


Perfekt gekleidet taucht Inanna, die Strahlende, in die Unterwelt, um ihrer grossen Schwester dort ein Stückchen ihrer Macht zu entreissen. Doch Ereshkigal hat davon Wind bekommen und ist ausser sich. Auf diesem Abschnitt der Reise rumpelt es kräftig in der Psyche — sowohl in der individuellen als auch der kollektiven. Die Königin der grossen Unterwelt sorgt dafür, dass ihre himmlische Schwester an jedem der sieben Tore zur Unterwelt einen Teil ihres Schmucks und Kleider einbüsst. Schliesslich landet Ishtar splitterfasernackt und völlig schutzlos vor ihr ohne alle Macht. Ereshkigal tobt und tötet ihre Schwester. Sie hängt den Leichnam der ehemals Strahlenden zum Verrotten an einen Haken und tobt munter weiter. 

Das ist unser Moment an rückläufiger Leidenschaft
— wenn sich unsere vernachlässigten venusischen Bedürfnisse zeigen. Es wird einen Morgen, einen Abend oder ein Wochenende geben, an dem wir uns am Wendepunkt befinden, vor dem Durchbruch: Wir halten es nicht länger aus. Das Leben ist kein Ponyhof. Wir sind wütend. Wir sind einsam. Wir sind enttäuscht. Wir sind überwältigt.

Was immer es ist: hören wir zu. 

Und tun wir das nicht nur so aus Höflichkeit. Drücken wir unserer dunklen Schwester einen Stift in die Hand oder lassen sie an die Tastatur. Lassen wir ihr freien Ausdruck, lassen sie toben und schimpfen wie ein Rohrspatz. Sie soll raushauen, was ihr alles schon lange auf der Seele brennt, alle unerfüllten Begierden, all ihre Bedürfnisse ausheulen. Machen wir eine lange Liste. Eine Liste voller Leidenschaft. Beginnen wir jeden Satz mit „Ich will…“, noch besser mit „Ich fordere…!“ (Ich fordere mehrt Aufmerksamkeit, ich fordere mehr Gehalt, ich fordere, dass man mir zuhört, ich fordere Küsse, Streicheleinheiten, ich fordere mehr Zeit für mich, ich will mehr Lebensfreude!)

Konservieren wir diesen Ausbruch und geben ihm den angemessenen Rahmen. Sichern wir ihn an einen besonderen Ort. Später, wenn sich das Gemüt beruhigt hat, holen wir ihn wieder vor und sichten alles mit klarem Kopf. Das sind die Botschaften einer Göttin, die tief Innen in unserem Unbewussten gefangen ist. Ihre Beschwerden sind ein Minenfeld an ungeborgenen Rohdiamanten. Das sind die tiefsten Geheimnisse der Venus und genau das, was wir für unser Glück jetzt brauchen. Auch wenn die Worte vielleicht ein wenig polterig oder sehr kindisch klingen — die Macht, die hinter ihnen steckt, ist echt.

Und Ishtar macht diese Reise nicht zum ersten Mal. Sie hat vorgesorgt. Als Teil des Plans sendet der König (der bewusste Geist) einen charmanten Eunuchen aus, der jedes Wort der rasenden Ereshkigal hört. Denn nachdem sie Gehör gefunden hat, erlaubt sie widerwillig, dass die Wasser des Lebens über Ishtars Leib gegossen werden, um sie wiederzubeleben. Die Königin des Himmels kehrt mit erneuerter Klarheit und Fruchtbarkeit in die obere Welt zurück. 

(Es gibt allerdings auch Versionen dieses Mythos, in dem sie dort ihren Lover quietschvergnügt und keineswegs um sie trauernd auf ihrem Thron antrifft — und ihn zur angemessenen Strafe zu ihrer Schwester ins Reich der Toten runterschickt. Daher stammen übrigens die archetypischen Warnungen vor alten Liebeleien und miesen Lovern)

Die Herausforderung der verflixten Schwestern

Ereshkigal und Ishtar, die jede eine Seite der grossen Göttin repräsentieren, kämpfen nicht einfach gegeneinander. Sie veranstalten dieses Schauspiel als verflixte Schwestern bereits über 5000 Jahre. Girls just wanna have fun. Sie wollen nur spielen, ein bissl Drama veranstalten, um Aufmerksamkeit zu schinden. 

Der Planet Venus kommt während seiner Rückläufigkeit der Erde so nahe wie sonst nie. Das ist die Zeit, wenn die Göttin es liebt, sich leibhaftig auf Erden zu zeigen. Sie flüstert den Leuten zu, setzt uns den ein oder anderen Floh ins Ohr. Sie fordert gesellschaftliche Regeln heraus und erzeugt ungewohntes, spontanes Verhalten, hoppla. Halten wir Ausschau nach ihrer Einflussnahme jenseits von Liebesgeschichten, Geld und Glück. Sie steckt hinter den Gleichberechtigungskämpfen, zeigt sich in der Natur, in der Kunst, in der Welt von Mode und Schönheit, aber auch auf diplomatischen Parketten und im Umgang mit Etiketten.

So, wie 2009, da war Venus in Widder rückläufig, als Michelle Obama einen bis dato undenkbaren Bruch des höfischen Protokolls beging und die unberührbare britische Queen herzlich gedrückt hat („ Ach, wir sind beide nur zwei müde Ladies, die in ihren engen Schuhen fast umkommen!“) Bis heute Gesprächsthema. Oder während der späteren Venus Rückläufigkeit im Widder im Jahr 2017, als Präsident Trump die ganze Zeit vom tollsten Schokoladenkuchen schwärmte, während er mit Präsident Xi Jinping eher nebenbei die Entscheidung traf, Syrien zu bombardieren. 

Auch in unserem individuellen Leben überrascht uns die verspielte Venus gern mal mit einer plötzlichen neuen Begierde. Schwupps, kommt der Sohn mit einem Nasenring heim, der bisher nicht die geringste Neigung zu Tätowierungen, Piercings und Ähnlichem zeigte. Es musste einfach sein, erklärt er. Einige Wochen später steht er vor dem Spiegel und fragt sich, ob das für ihn wirklich das Richtige ist.
 
Das ist nämlich genau das Ding mit den Inspirationen zu dieser Zeit. Betrachten wir sie nach einer Weile im Lichte des Alltags der oberen Welt, schauen sie meist nicht mehr ganz so prickelnd aus. Ja, wir werden immer wieder reinfallen, wie die Astrologin Dana Gerhard schreibt. Wir kaufen verrückte Klamotten, die wir nie tragen werden. Sie liess sich eine grüne Strähne färben, die echt schräg war. Sie liess sich prompt mit einer alten Liebe wieder ein und erlebte 14 Jahre Sturm und Drang — und einige der besten Gelegenheiten ihres Lebens. Sie würde um nichts in der Welt auch nur eine Minute tauschen wollen. Seitdem hat sie ihre gefärbte Haarsträhne behalten, allerdings in einer besser zu ihr passenden Farbe.

Es ist eine heilige Zeit.
Es ist jedoch keinesfalls eine Zeit für hirnlosen Aberglauben! 

Haben wir etwas typisch venusisches zu tun, wie z.B. zu Heiraten oder etwas Grosses und Teures zu kaufen wie ein Haus, ein Auto, etc., dann sollten wir alle Details gründlich abklopfen. Wenn dann immer noch alles Richtig erscheint, dann machen wir uns keinen unnötigen Stress. Auch während dieser Zeiten geht das Leben weiter. Aber halten wir die Augen besser offen. Die Göttin wird uns sicherlich bald besuchen kommen. 

(Freie, leicht veränderte Übersetzung von Dana Gerhardt:
Transform! Why Venus Retrograde is Important

Dank an Dana für die freundliche Genehmigung
und vor allem für die immer wieder tief bewegenden und inspirerenden Lektionen!)


23. April 2020

Venus als sichtbarer Abendstern am Himmel

Photo: Uroš Novina CC BY 2.0
  

Der Planet Venus
als sichtbarer Abendstern am Himmel

Der Planet Venus wird dann als Abendstern bezeichnet, wenn sie am abendlichen Himmel mit blossem Auge sichtbar ist. Nach Sonnenuntergang ist sie zur Zeit das hellste Gestirn am westlichen Himmel 
— wunderbar zur Zeit zu bestaunen bei unseren klaren Abendhimmeln! 



Über die kommenden Wochen können wir den optischen Effekt der Rückläufigkeit bei Venus beobachten.
Venus wird ca. alle 18 Monate scheinbar rückläufig. So scheint ihre Bewegung immer langsamer zu werden bis zum Stillstand. Dann kehrt sich ihre Bewegungsrichtung um. Dann wandert sie für ca. 40 Tage unsichtbar am Nachthimmel vor der Sonne vorbei, um dann am östlichen Himmel die nächsten Monate vor Sonnenaufgang als hellster Stern sichtbar zu werden. Dort bleibt sie wieder ca. sechs bis sieben Monate sichtbar. 

Die Bewegungen der grossen Planeten am Himmel verschieben das Kräftegleichgewicht unseres Sonnensystems. Schon die alten Babylonier und Chinesen haben diese Phänomene am Himmel astronomisch beobachtet und rational vermessen. Doch darüber hinaus haben sie gründlich beobachtet, welchen Einfluss diese Kräfte auf die Menschen hatten. 

Für die alten Chinesen war der Planet Venus der „grosse Weisse“ im Westen, der symbolisch mit Schuld und Sühne, Rechtsprechung wie Krieg in Verbindung gebracht wurde. Man hatte beobachtet, dass die Bewegung des Planeten sich zu geschickter Strategie nutzen lässt. Bewegt sich der Planet schnell, war die Zeit für schnelle (Truppen-)Bewegungen. Zieht er langsam seine Bahn, folgte man seinem Beispiel. Steht er strahlend am Himmel, war die rechte Zeit für eine Schlacht. Ist er still, verhielt man sich auch still. 

Und wie damals können wir auch heute diese Einflüsse in uns spüren, als Tendenzen, als Gefühle, die uns bewegen. Doch wie intensiv wir das spüren, hängt auch von uns individuell ab. Zum einen von unserer Aufmerksamkeit, aber auch von unserer Einzigartigkeit der Strukturen. Nicht jeder Einfluss wirkt zu jeder Zeit auf jeden Menschen gleich intensiv. Diese Naturprinzipien mit neugieriger Aufmerksamkeit ohne Vorurteile zu beobachten — das ist echte Naturwissenschaft!

Der Planet Venus als Symbol

In der Mystik gilt, wie oben, so unten. Entsprechend finden wir die gleichen Inhalte dieser Symbole auch in uns wieder, wie im Universum, so auch im Menschen. Was wir heute Naturprinzipien nennen, nannten die Alten Götter. Sie spiegeln archetypische Strukturen unserer Persönlichkeit. Wir alle, ob Mann oder Frau haben weiblich-kreative Anteile als auch maskulin-kriegerische Aspekte. 

Aphrodite, später von den Römern Venus genannt, ist die olympische Göttin der Liebe, der Fruchtbarkeit, der Schönheit und Harmonie. Sie war alles andere als eine naive Schönheit, sondern eine sehr urteilende, leidenschaftliche Göttin. Ihr zugrunde liegt eigentlich eine wesentlich ältere Göttin, deren Ursprung sich in Mesopotamien findet. 

So war der Planet schon lange vorher im Zweistromland der Göttin Ishtar geweiht, die ebenfalls als Morgen- und als Abendstern verehrt wurde. Ishtar war die Himmelskönigin, der Inbegriff der Weiblichkeit, die kriegerische Göttin des Begehrens. Sie ist mit all ihren Paradoxa eine der schwierigst zu begreifenden Göttinnen ob ihrer Vielschichtigkeit. Ihre „Schwester“ als ihr dunkler Aspekt ist Ereshkigal, die Herrin der Unterwelt, deren Macht ihrer sogar weit überlegen ist.

Hinter ihnen schimmern viel ältere Mythen durch. Vor ca. 5000 Jahren wurden in vielen alte Kulturen überall auf dieser Welt ähnlichen Schöpfungsmythen erzählt. Diese uralten Schöpfergöttinnen sind ein Symbol für die Natur mit ihren zyklischen Prozessen. Denn der Ursprung des Lebens ist das urweibliche Prinzip. 

Im Daodejing, Kap. 6, wird es so beschrieben: 

Der Geist des tiefen Tals stirbt nie.

Sie wird das mysteriöse Feminine genannt.

Das Tor der dunklen Urweiblichen

nennen wir den Ursprung von Himmel und Erde.

Kaum ersichtlich und doch immer in uns,

können wir draus schöpfen, 
ohne sie je zu erschöpfen. 

Schon lange vor dem Christentum erschienen die alten Göttinnen als Dreifaltigkeiten. So wie sich auch die ewig kreisende Mondin uns über drei Phasen zeigt: zunehmend leuchtend bis zum Vollmond, dann abnehmend zum mysteriös-unsichtbaren Dunkelmond. 

DLR: Vom (Super-) Vollmond bis Neumond
Credit: NASA/GSFC

Die Göttinnen erscheinen zum einen als weisse, junge/jungfräuliche Tochter, dann als die rote, fruchtbare Mutter sowie als dunkle Grossmutter und weise Alte. Wir erinnern uns an das Märchen: „… ein Kind, weiss wie Schnee, rot wie Blut und schwarz wie Ebenholz“ Die Begriffe der Familienverhältnisse sind nicht wörtlich zu nehmen. Es geht mehr um die Qualitäten der vielschichtigen Aspekte dieser mächtigen, schöpferischen Energien, die ebenso auch destruktive Seiten aufwiesen.


16. April 2020

Informativ und lesenswert zu COVID


Ein "kleiner" Gastkommentar in einer schweizerischen Lokalzeitung liefert einen seriösen Überblick über den aktuellen Wissenstand. Nicht bequem, Klartext, politisch nicht glattgebügelt, furchbar viel Text mit sauber belegten Informationen und damit absolut lesenswert! Hier der Link zum gesamten Artikel, bzw. einige Abschnitte daraus:

COVID-19 - eine Zwischenbilanz oder eine Analyse der Moral, der medizinischen Fakten, sowie der aktuellen und zukünftigen politischen Entscheidungen:

Überlegungen eines besorgten Schweizer Bürgers
von Prof. Dr. med. Dr. h.c. Paul Robert Vogt

Vorwort: wieso nehme ich überhaupt Stellung?

Aus 5 Gründen:
  1. bin ich mit meiner Stiftung «EurAsia Heart – A Swiss Medical Foundation» seit mehr als 20 Jahren in EurAsien tätig, habe fast ein Jahr in China gearbeitet und seit 20 Jahren eine kontinuierliche Verbindung zum «Union Hospital of Tongji Medical College/Huazhong University of Science and Technology» in Wuhan, wo ich eine meiner vier Gastprofessuren in China habe. Die 20- jährige Verbindung zu Wuhan habe ich auch in den jetzigen Zeiten konstant aufrechthalten können
  2. ist COVID-19 nicht nur ein Problem der mechanischen Beatmung, sondern betrifft das Herz in ähnlicher Weise. 30% aller Patienten, welche die Intensivstation nicht überleben, versterben aus kardialen Gründen.
  3. ist die letzt-mögliche Therapie des Lungenversagens eine invasiv-kardiologische, respektive kardiochirurgische: die Verwendung einer «ECMO», der Methode der «extrakorporellen Membran- Oxygenation», d.h. die Verbindung des Patienten mit einer externen, künstlichen Lunge, welche bei diesem Krankheitsbild die Funktion der Lunge des Patienten so lange übernehmen kann, bis diese wieder funktioniert.
  4. bin ich – ganz einfach – um meine Meinung gefragt worden.
  5. sind sowohl das Niveau der medialen Berichterstattung wie auch sehr viele Leser-Kommentare nicht ohne Widerspruch hinzunehmen und zwar in Bezug auf Fakten, Moral, Rassismus und Eugenik. Sie benötigen dringend einen Widerspruch durch zuverlässige Daten und Angaben.
  6. Die dargelegten Fakten entstammen wissenschaftlichen Arbeiten, welche ein «peer-review» durchlaufen haben und in den besten medizinischen Zeitschriften publiziert worden sind. Viele dieser Fakten waren bis Ende Februar bekannt. Hätte man diese medizinischen Fakten zur Kenntnis genommen und wäre man fähig gewesen, Ideologie, Politik und Medizin zu trennen, wäre die Schweiz heute mit grosser Wahrscheinlichkeit in einer besseren Lage: wir hätten pro Kopf nicht die zweitmeisten COVID-19-positiven Leute weltweit und eine bedeutend kleinere Zahl an Menschen, welche ihr Leben im Rahmen dieser Pandemie verloren haben. Zudem hätten wir mit grosser Wahrscheinlichkeit keinen partiellen, unvollständigen «Lock-down» unserer Wirtschaft und keine kontroversen Diskussionen, wie wir hier wieder «herauskommen».
Anmerken möchte ich noch, dass alle wissenschaftlichen Arbeiten, die ich erwähne, bei mir im Original erhältlich sind.
[...]

2. Handelt es sich hier nur um «eine gewöhnliche Grippe», die jedes Jahr vorüberzieht und gegen die wir üblicherweise «nichts» unternehmen – oder um eine gefährliche Pandemie, welche rigide Massnahmen benötigt?

Um diese Frage zu klären, muss man bestimmt keine Statistiker fragen, die noch nie einen Patienten gesehen haben. Die reine, statistische Beurteilung dieser Pandemie ist sowieso unmoralisch. Fragen muss man die Leute an der Front.
Keiner meiner Kollegen – und ich natürlich auch nicht – und niemand vom Pflegepersonal kann sich erinnern, dass in den letzten 30 oder 40 Jahren folgende Zustände herrschten, nämlich dass:
  1. ganze Kliniken mit Patienten gefüllt sind, welche alle dieselbe Diagnose besitzen;
  2. ganze Intensivstationen mit Patienten gefüllt sind, welche alle dieselbe Diagnose aufweisen;
  3. 25% bis 30% der Pflegenden und der Ärzteschaft genau jene Krankheit auch erwerben, welche jene Patienten haben, die sie betreuen;
  4. zu wenig Beatmungsgeräte zur Verfügung standen;
  5. eine Patientenselektion durchgeführt werden musste, nicht aus medizinischen Gründen, sondern weil wegen der schieren Anzahl an Patienten schlicht das entsprechende Material gefehlt hat;
  6. die schwerer erkrankten Patienten alle dasselbe – ein uniformes – Krankheitsbild aufgewiesen haben;
  7. die Todesart jener, die auf der Intensivstationen verstorben sind, bei allen dieselbe ist;
  8. Medikamente und medizinisches Material auszugehen drohen.
Aufgrund von 1-8) ist es klar, dass es sich um einen gefährlichen Virus handelt, der dieser Pandemie zugrunde liegt. Die Behauptungen, eine «Influenza» sei genau gleich gefährlich und koste jedes Jahr gleich viele Opfer ist falsch. Zudem ist die Behauptung, man wisse nicht, wer «an» und wer «wegen» COVID-19 sterbe, ebenso aus der Luft gegriffen. 
[...]

7. Was wissen wir? Was wissen wir nicht?

Wir wissen,
 
  • dass es sich um ein aggressives Virus handelt;
  • dass die mittlere Inkubationszeit 5 Tage dauert; die maximale Inkubationszeit ist noch nicht klar;
  • dass asymptomatische COVID-19 Träger andere Personen anstecken können und dass dieses Virus „extrem ansteckend“ und „extrem resistent“ (A. Lanzavecchia) ist;
  • wir kennen die Risiko-Populationen;
  • dass es in den letzten 17 Jahren nicht gelungen ist, weder eine Impfung, noch einen monoklonalen Antikörper gegen Corona-Viren zu entwickeln;
  • dass es überhaupt noch nie gelungen ist, eine Impfung gegen welches Corona-Virus auch immer zu entwickeln;
  • dass auch die so genannte „Grippe-Impfung“ entgegen der gängigen Werbung nur einen minimalen Effekt ausweist.
[...]
 Aus dem Interview einige Tage später:

D.A.: Einige Kommentare vermissen in Ihren Ausführungen auch Tipps im Umgang mit Covid19 und der Situation darum herum. Das Bedürfnis für Empfehlungen war in der Bevölkerung nie grösser. Können Sie da Hand bieten?

Prof. Dr. med. Dr. h.c. Paul Robert Vogt: 
Etwas pessimistisch gesagt: da es weder Impfung noch Medikamente gibt, gelten die Empfehlungen zur Zeit der Spanischen Grippe – was natürlich nachdenklich stimmt. 

Immerhin: mehrere Studien bestätigen übereinstimmend, 
  • dass konsequentes Hände-Waschen mit den entsprechenden Desinfektionsmitteln, die eigentlich der Bund endlich nennen sollte, 
  • und das Tragen von N95-Masken, medizinischen Masken und auch selbst-gebastelten Masken, wenn sie aus 4 Lagen Papier oder 1 Lage Stoff bestehen, 95% bis 99% der Viren auf Oberflächen oder in der Luft blockieren können. 
  • Als wirksame Desinfektionsmittel gelten laut dem «Journal of Hospital Infection» vom 06. Februar 2020: Alkohol 62%ig bis 71%ig; Hydrogen Peroxid 0.5% oder Natrium Hypochlorite 0.1%. Ich denke, am einfachsten hält man sich an die Alkohol-Desinfektion. 
  • Und Abstandhalten gilt nach wie vor, wie zu Zeiten der Spanischen Grippe.