23. April 2020

Venus als sichtbarer Abendstern am Himmel

Photo: Uroš Novina CC BY 2.0
  

Der Planet Venus
als sichtbarer Abendstern am Himmel

Der Planet Venus wird dann als Abendstern bezeichnet, wenn sie am abendlichen Himmel mit blossem Auge sichtbar ist. Nach Sonnenuntergang ist sie zur Zeit das hellste Gestirn am westlichen Himmel 
— wunderbar zur Zeit zu bestaunen bei unseren klaren Abendhimmeln! 



Über die kommenden Wochen können wir den optischen Effekt der Rückläufigkeit bei Venus beobachten.
Venus wird ca. alle 18 Monate scheinbar rückläufig. So scheint ihre Bewegung immer langsamer zu werden bis zum Stillstand. Dann kehrt sich ihre Bewegungsrichtung um. Dann wandert sie für ca. 40 Tage unsichtbar am Nachthimmel vor der Sonne vorbei, um dann am östlichen Himmel die nächsten Monate vor Sonnenaufgang als hellster Stern sichtbar zu werden. Dort bleibt sie wieder ca. sechs bis sieben Monate sichtbar. 

Die Bewegungen der grossen Planeten am Himmel verschieben das Kräftegleichgewicht unseres Sonnensystems. Schon die alten Babylonier und Chinesen haben diese Phänomene am Himmel astronomisch beobachtet und rational vermessen. Doch darüber hinaus haben sie gründlich beobachtet, welchen Einfluss diese Kräfte auf die Menschen hatten. 

Für die alten Chinesen war der Planet Venus der „grosse Weisse“ im Westen, der symbolisch mit Schuld und Sühne, Rechtsprechung wie Krieg in Verbindung gebracht wurde. Man hatte beobachtet, dass die Bewegung des Planeten sich zu geschickter Strategie nutzen lässt. Bewegt sich der Planet schnell, war die Zeit für schnelle (Truppen-)Bewegungen. Zieht er langsam seine Bahn, folgte man seinem Beispiel. Steht er strahlend am Himmel, war die rechte Zeit für eine Schlacht. Ist er still, verhielt man sich auch still. 

Und wie damals können wir auch heute diese Einflüsse in uns spüren, als Tendenzen, als Gefühle, die uns bewegen. Doch wie intensiv wir das spüren, hängt auch von uns individuell ab. Zum einen von unserer Aufmerksamkeit, aber auch von unserer Einzigartigkeit der Strukturen. Nicht jeder Einfluss wirkt zu jeder Zeit auf jeden Menschen gleich intensiv. Diese Naturprinzipien mit neugieriger Aufmerksamkeit ohne Vorurteile zu beobachten — das ist echte Naturwissenschaft!

Der Planet Venus als Symbol

In der Mystik gilt, wie oben, so unten. Entsprechend finden wir die gleichen Inhalte dieser Symbole auch in uns wieder, wie im Universum, so auch im Menschen. Was wir heute Naturprinzipien nennen, nannten die Alten Götter. Sie spiegeln archetypische Strukturen unserer Persönlichkeit. Wir alle, ob Mann oder Frau haben weiblich-kreative Anteile als auch maskulin-kriegerische Aspekte. 

Aphrodite, später von den Römern Venus genannt, ist die olympische Göttin der Liebe, der Fruchtbarkeit, der Schönheit und Harmonie. Sie war alles andere als eine naive Schönheit, sondern eine sehr urteilende, leidenschaftliche Göttin. Ihr zugrunde liegt eigentlich eine wesentlich ältere Göttin, deren Ursprung sich in Mesopotamien findet. 

So war der Planet schon lange vorher im Zweistromland der Göttin Ishtar geweiht, die ebenfalls als Morgen- und als Abendstern verehrt wurde. Ishtar war die Himmelskönigin, der Inbegriff der Weiblichkeit, die kriegerische Göttin des Begehrens. Sie ist mit all ihren Paradoxa eine der schwierigst zu begreifenden Göttinnen ob ihrer Vielschichtigkeit. Ihre „Schwester“ als ihr dunkler Aspekt ist Ereshkigal, die Herrin der Unterwelt, deren Macht ihrer sogar weit überlegen ist.

Hinter ihnen schimmern viel ältere Mythen durch. Vor ca. 5000 Jahren wurden in vielen alte Kulturen überall auf dieser Welt ähnlichen Schöpfungsmythen erzählt. Diese uralten Schöpfergöttinnen sind ein Symbol für die Natur mit ihren zyklischen Prozessen. Denn der Ursprung des Lebens ist das urweibliche Prinzip. 

Im Daodejing, Kap. 6, wird es so beschrieben: 

Der Geist des tiefen Tals stirbt nie.

Sie wird das mysteriöse Feminine genannt.

Das Tor der dunklen Urweiblichen

nennen wir den Ursprung von Himmel und Erde.

Kaum ersichtlich und doch immer in uns,

können wir draus schöpfen, 
ohne sie je zu erschöpfen. 

Schon lange vor dem Christentum erschienen die alten Göttinnen als Dreifaltigkeiten. So wie sich auch die ewig kreisende Mondin uns über drei Phasen zeigt: zunehmend leuchtend bis zum Vollmond, dann abnehmend zum mysteriös-unsichtbaren Dunkelmond. 

DLR: Vom (Super-) Vollmond bis Neumond
Credit: NASA/GSFC

Die Göttinnen erscheinen zum einen als weisse, junge/jungfräuliche Tochter, dann als die rote, fruchtbare Mutter sowie als dunkle Grossmutter und weise Alte. Wir erinnern uns an das Märchen: „… ein Kind, weiss wie Schnee, rot wie Blut und schwarz wie Ebenholz“ Die Begriffe der Familienverhältnisse sind nicht wörtlich zu nehmen. Es geht mehr um die Qualitäten der vielschichtigen Aspekte dieser mächtigen, schöpferischen Energien, die ebenso auch destruktive Seiten aufwiesen.