18. Februar 2026

Kann ja nicht schaden...


Vitamine, Mineralien, Superwirkstoffe:

Es gibt es kaum einen Menschen hierzulande, der keine Ergänzungsmittel nimmt, oft empfohlen vom Arzt, Apotheker, von lieben MenschenUnd meist nicht nur eines, sondern meist mehre Präparate, und oft hochdosierte Kombinationen aus vielen Wirkstoffen.

Mittlerweile bekommt fast jeder, spätestens nach einer Blutabnahme zum Ende des Winters hochdosierte Vitamin-D-Vorstufe  vom Arzt verschrieben.  (mehr Details dazu hier)

Marketing bedeutet, Bedarf für Dinge zu schaffen, die kein Mensch braucht. Die Herstellungskosten sind minimal, das meiste kosten die chicen Verpackungen und die Vermarktung. Für all diese Mittel wird aggressiv geworben. 

Der Ertrag ist riesig, die Produkthaftung vernachlässigbar, denn es sind ja keine Arzneimittel. Deswegen brauchen die keinen Beipackzettel, wie Arzneimittel.  

Nebenwirkungen und Wechselwirkungen  mit anderen Mitteln werden nicht erwähnt. Von den Symptomen, die übermässige Zufuhr verursachen, wird nie gesprochen. 

Da muss sich der Kunde schon selbst informieren. Macht aber keiner. 

Tante Frida hat gesagt, XY hätte der Nachbarin sooo toll gehelfen. Also schnell gekauft und gleich genommen. Unsere Oma z.B., die hat von ihrer Lieblingsfima aus der Fernsehzeitschrift fast das ganze Sortiment im Schrank, seit Jahrzehnten. 

Medikament, Arznei, Ergänzung

Diese Begriffe verwirren Verbraucher. Medikamente unterliegen hohen Kontrollen. Sie dürfen nur in Apotheken verkauft werden. Manche dürfen dort nur mit Rezept eines Arztes  abgegeben werden.

Doch oft haben selbst hochdosierte Präparate keine Zulassung als Apotheken-pflichtige Arzneimittel, sondern gelten als freiverkäufliche Mittel, bzw. Nahrungsergänzungsmittel (NEM). So werden sie in Drogerie- und Supermärkten verkauft und füllen dort ganze Regale. 

Dazu kommen Mittel, die über das Internet, aus dem Ausland gekauft werden. Die entsprechen nicht den hiesigen Vorgaben an Deklaration der Inhaltsstoffe. Längst ist nicht das drin, was versprochen wurde. (Doch das ist ein ganz anderes Thema...)

Kann ja nicht schaden...

lautet die Devise. 

Es wird ja ausserdem im TV und in jeder Zeitschrift beworben und das Blaue vom Himmel versprochen, Schmerzfreiheit, Anit-Aging, Immun-fit - und mit all den Mangelerscheinungen gedroht, wenn diese Präparate nicht genommen werden.  

Als Beispiel dient hier ein Mittel, das "so schön die Nerven stärkt, sogar Nervenerkrankungen vorbeugen und Nervenschäden verringern soll, den Energiestoffwechsel unterstützt, Müdigkeit & Ermüdung verbessert".  Alles Aussagen aus der aus der Werbung, brav nachgeplappert von unserer Oma.

Nach jahrelanger Einnahme landen genau diese Patienten dann beim Hausarzt oder Neurologen, weil sie immer unsicherer auf den Beinen werden, weil die Missempfindungen, das Kribbeln und die Taubheit in den Füßen und Beinen zugenommen haben. 

Die Diagnose lautet korrekt chronische Polyneuropathie. Deren Ursache sind meist Diabetes, übermässiger Alkoholkonsum, Viamin-B12-Mangel. Doch liegt keines davon vor. Was ist bloss die Ursache? Alles nur altersbedingt?

Kaum ein Arzt wird auf Vitamin-B6 als Verursacher kommen. Es wird nicht routinemässig überprüft. Es fehlt auch die Zeit, sich mit jedem Patienten durch den Wust an eingenommenen, freiverkäuflichen Produkten der letzten Jahre bis Jahrzehnte durchzukämpfen.

Und unsere Oma, mit jetzt 94 Jahren als Paradebeispiel, weiss wirklich nicht mehr, was sie alles wie lange eingeworfen hat. Sie bekommt ja kaum die lange Liste der vom Arzt verordneten Mittel zusammen.

Nach Absetzen bessern sich meist die Symptome der Überdosierung, aber nicht nicht immer vollständig. 

Gerade bei diesem Beispiel bleiben oft Nervenschädigungen zurück - und das von einem Mittel, das "sooo gut für die schwachen Nerven" sein sollte!

A-C-E, die vielbeworbenen Vitamine

verbessern die Gewinne der Hersteller enorm. Gerade in Produkten, deren Zielgruppe Kinder sind, ist diese Kombination ein Garant für hohe Verkaufsquoten. 

Sie verbessern das schlechte Gewissen der Käufer enorm, schliesslich futtert man ja was Gesundes mit diesem ungesunden Bonbon, dem süßen Getränk. Immerhin darf mittlerweile für diese Produkte nicht mehr damit geworben werden.

Vitamin C, korrekt Ascorbinsäure (als Laborerzeugnis) wird jedoch weiterhin beworben als "lebensnotwendiges Nahrungsergänzungsmittel zur täglichen Unterstützung des Immunsystems". Jeder weiss ja schliesslich,  dass Vitamin C-Mangel ungesund, gar gefährlich ist, oder?

Massive Überdosierung 

Fakt ist jedoch, dass wir in der BRD im Jahre 2026 definitiv keinen Viatmin-Mangel haben, z.B. an Ascorbinsäure (Vitamin C) wie die alten Seefahrer einst. 

Noch weniger mangelt es an meist gentechnisch hergestellter Ascorbinsäure, die als Konservierungsmittel in der Nahrungsmittelindustrie ohne Höchstmengenbeschränkung zugelassen ist, selbst bei  Bio-Produkten. 

In den letzten Jahrzehnten bekommen wir allein durch Nahrungsmittel so viel Ascorbinsäure zugeführt, dass wir in Gefahr der Überdosierung sind. 

Schauen Sie mal auf die Inhaltsstofflisten beim nächsten Einkauf. Sie werden staunen. Es gibt fast kein Nahrungsmittel mehr, in dem keine Ascorbinsäure (E300) zugegeben ist, als Antioxidanz, als Mehlbehandlungsmittel und Stabilisator. 

Der Lebensmittelchemiker Udo Pollmer weist daraufhin, dass 1 Scheibe Kinderwurst beim  Metzger mehr Ascorbinsäure enthält, als manche Brausetablette aus der Apotheke. 

Überdosierung macht krank

und schadet. 

Das ist in der Medizinforschung nix Neues, denn es wurden schon vor Jahrzehnten Studien (z.B. mit A-C-E) abgebrochen, weil die Patienten unter den Vitamingaben schwer erkrankten. 

Aktuell hier ein link zu einem lesenswerten Artikel des Deutschen Krebsforschungszentrums mit dem Titel: Vitamine und Spurenelemente: (K)ein Plus für die Gesundheit?

Darin werden viele Mythen weiter entzaubert. Statt "natürlich lang leben" mit Vitaminpillen (ein Werbeversprechen) kann sich im Gegenteil die Lebenerwartung drastisch verringen, kann Krebswachstum gefördert werden, entstehen  erst recht Symptome durch Wechsel- und Nebenwirkungen und Überdosierung. 

Doch diese Informationen verbreiten sich kaum. Sie werden nicht mit viel Etat, bunten Bildern und seitenweisen Annoncen in Illustrierten und Apothekenheftchen verbreitet. 

Die Wissenschaftler publizieren in Fachzeitschriften. Sie sind keine Dauergäste in Arztpraxen mit Koffern an Mustern und Broschüren. Sie sind keine Pharmavertreter, die in chicen Urlaubsorten Fortbildungen veranstalten.  

"Vitamin C ist lebensnotwendig und der Bedarf ist höher als bei anderen Vitaminen. Darum muss es regelmäßig von außen zugeführt werden"  als Werbeaussage auf einem Eimer Ascorbinsäure gilt leider nicht als Irreführung der Verbraucher. Denn sie bezieht sich sachlich auf Vitamin C (in natürlicher Form und Zufuhr), wie es im Sauerkraut, im  Apfel, im Grünkohl  reichlich vorhanden ist. 

Nicht jedes Verkaufsargument ist korrekt. Ebenso könnte Alt-Kanzler Helmut Schmidt zur Werbung für Zigarretten eingesetzt werden, weil er als Kettenraucher schliesslich über seiner hochdosierten Einnahme von Ascorbinsäure. 

Das eine ist nicht zwingend die logische Folge des anderen. Schön, dass der Chemiker so alt wurde, trotz seiner hochdosierten Ascorbinsäure-Einnahme. Seinen Nobelpreis hat er übrigens auch  nicht für Forschung im Bereich der Physiologie des Vitamin-Stoffwechsels bekommen.

Der echte Bedarf an Vitalstoffen

lässt sich keineswegs in Empfehlungen zur täglichen Tagesdosis  angeben, auf die sich leider Gesundheitswesen und Ernährungswissenschaft noch immer beziehen. 

Der tatsächliche Bedarf ist individuell und abhängig von vielen Faktoren, dass wir  keine Allgemeinempfehlungen und Laborwerte festlegen können. 

Den echten Bedarf können wir immer über einen gesunden Lebensstil decken, indem wir auf industriell bearbeitete Produkte möglichst verzichten. 

Ernähren wir uns überwiegend von frischem Gemüse der Region und Saison, deren Anbau weitgehend auf Schadstoffe durch Spritzmittel und Überdüngung verzichtet.

Mit abwechslungsreicher Ernährung kann kein Mangel durch zuwenig Zufuhr entstehen. Die Vitalstoffe aus frischem Grünzeug, aus Nüssen, Saaten, Hülsenfrüchten kann unser Organismus auch tatsächlich aufnehmen und verstoffwechseln. Eine Überdosierung ist so nicht möglich. 




 

  

 

 

Winterlicher Vitamin D-Mangel

(aktualisierte Version, Feb. 2026)

Wohin man hört und liest (und das muss noch nicht mal eines der kostenlosen, verkaufsfördernden Industrieblättchen für ältere Patienten sein) sein, leidet mindestens jeder Zweite unter Vitamin-D-Mangel. 
 
Auch Autoimmunerkrankungen und Depressionen sollen auf Vitamin-D-Mangel zurückzuführen sein. Bei vielen Krebsarten soll es angeblich eine Rolle spielen. 

Daher am besten schnell Tabletten nehmen
- ?

Halt!
So einfach ist das nicht! 

Mit der medikamentösen Ergänzung ist es leider nicht getan, weil wir nur eine Vorstufe schlucken können: 
 
Bei diesem Vitamin handelt es sich nämlich eigentlich um ein Hormon. Per Tablette können wir nur eine Vorstufe zuführen. Das eigentliche Hormon muss der Körper selbst bilden. 
 
Für die Bildung des Hormons spielen vor allem genug Vorstufe in Kombination  mit natürlichem Sonnenlicht, Bewegung, aber auch Alter und Gesundheit von Leber und Niere eine entscheidende Rolle. 

Ohne Sonne keine Verwandlung in die aktive Form

Dazu braucht der Organismus natürliches UVB-Licht. Auch hier liegt die Betonung auf natürlich! 
 
Solarium als Ersatz liefert nicht das dafür benötigte Vollspektrum. Die Wirkung des Sonnenlichts auf den Menschen lässt sich auch nicht nur auf die Vitamin-D-Bildung reduzieren. Ebenso ist die innere Regulation im Körper stark sonnenlichtabhängig, nicht nur von Hormonen. 
 
Übrigens, auch der Schlaf-Wach-Rhythmus, der ebenfalls für das Immunsystem, aber auch für das Lernen und die Konzentration von großer Bedeutung ist, wird durch die Aufnahme von Sonnenlicht durch das Auge angeregt. 

Am meisten gefährdet von einem Mangel sind  daher all diejenigen, die sich generell zuwenig im Freien aufhalten, z.B. gehbehinderte Patienten in Kliniken; Menschen, die nur Nachtschichten arbeiten oder auch stubenhockende  Computer-Kids/Nerds.

Die Sonnenintensität und -dauer im Winter ist aber schwach, und wir mögen jetzt auch nicht gern mit freiem Oberkörper im Garten sitzen, brrrr... 
 
- haben wir also alle einen behandlungsbedürftigen Mangel im Winter?

Definition eines Mangels?

Die Laborwerte beziehen sich auf einen jahreszeitlich konstanten, künstlich definierten Idealwert. Aber selbst bei gesunden, gut versorgten Menschen schwankt der Wert im Lauf der Jahreszeiten.  
 
Normal und "gesund" ist sogar, zum Ende des Winters um Februar die niedrigste Werte zu haben. Darauf ist unser Körper auch eingerichtet, denn er speichert sich die Vorstufe in den Sonnenmonaten für den Winter. Deswegen haben wir nicht alle gleich Mangel im Winter und schon gar nicht gleich Mangelerscheinungen. 
 
Wie hätten sonst Menschen seit Jahrtausenden Regionen besiedeln können, die noch höher im Norden liegen als hier? Vor der Zeit der industriellen Pillen-Produktion müssten dann ja alle Skandinavier schwere Osteoporose gehabt haben. 
 
Es ist nämlich nicht möglich, genaue Aussagen über den tatsächlichen Bedarf zu machen. Noch weniger über einen Bedarf, der pauschal für alle, am besten als einfach zu bestimmender Laborwert!

Der echte Bedarf ist zusätzlich von vielen Faktoren abhängig, z.B. von der Qualität der Ernährung, dem Alter, Geschlecht, Vorerkrankungen.  
 
Normwerte eignen sich also nur zur groben Orientierung. Schon gar nicht muss jeder, der etwas unter dem rein hypothetischen Normwert liegt, gleich Tabletten nehmen. 

Richtig ist vielmehr, dass die meisten Menschen, die über einen ausreichend hohen Vitamin-D-Spiegel verfügen, zumeist auch einen wesentlich gesünderen Lebenrhythmus  und Lebensstil haben mit ausreichend Bewegung an frischer Luft und ausgewogener Ernährung.

Viel wichtiger ist also, den erniedrigten Laborwert als Anregung zu nehmen, seine Gewohnheiten zu ändern und öfters raus in die Sonne zu gehen, sowie seine Ernährungsgewohnheiten zu überdenken. 

Mangel-Ernährung? 

Denn alle vom Körper benötigten Vitamine, Mineralien und Vorstufen nehmen wir am effektivsten über frisches Gemüse auf. Bei allen Diskussionen um die Qualität von bio- oder konventionellem Anbau, und ob das Gemüse noch dieselbe Menge an Vitalstoffe enthält wie früher...
 
- die meisten Menschen essen schlicht zuwenig frisches Gemüse der Saison und Region!

Frisches, regionales Gemüse ist im Winter hierzulande sicherlich nicht sehr abwechslungsreich. Aber gerade die typischen Wintergemüse wie Kohl, Grünkohl und Sauerkraut enthalten sogar ein wenig Vitamin-D-Vorstufe. 
 
Ansonsten ist Vitamin-D-Vorstufe auch in Eigelb, Butter und Milchprodukten enthalten, die es bei uns das ganze Jahr gibt. Sie sollten allerdings nicht im Übermass verzehrt werden, schon gar nicht aus Angst vor Vitamin-D-Mangel. 

Zusammen mit den  empfohlenen drei Gemüse-basierten Mahlzeiten pro Tag, bekommt der Körper genug davon, und zwar gemeinsam mit allen anderen Vitalstoffen. 
 
So ist z.B. Calcium zur Verstoffwechslung von Vitamin-D und für die Knochenbildung genauso wichtig. Und auch das nehmen wir besser über Gemüse als über Milch oder Vitamintabletten  auf.

Behandlung durch Vitamin-D-Zufuhr

Die Einnahme von Vitamin-D-Hormon sollte nur in Absprache mit einem erfahrenem Arzt/Heilpraktiker erfolgen. Es gibt (wenige) medizinische Ausnahmen, die eine Zufuhr an Vorstufe sinnvoll machen. 
 
Dabei sollten immer die Laborwerte, unter Umständen auch aus dem Urin, kontrolliert werden. Denn bei der Medikamentation kann es trotz labortechnisch scheinbarem Mangel an gebildetem "Vitamin"-D-Hormon zugleich leicht zu einer Überdosierung kommen. 
 
Deswegen ist die hochdosierte Zufuhr gar nicht so unproblematisch,
wie sie leider propagiert und praktiziert wird.
 
 

Meist unsinnige Vitamin-D-Tabletten 

Ohne Sonnenlicht funktioniert die Aufnahme des Wirkstoffes aus den Tabletten jedoch immer noch nicht. Zur Verordnung des Medikamentes gehört also unbedingt die Empfehlung, täglich nach draussen zu gehen, am besten zur Mittagszeit
 
Früher gab es in Sanatorien das verordnete Mittagsschläfchen an der frischen Luft, zu dem die Patienten schön warm eingekuschelt wurden. 
 
Wie wäre es, wenn Sie Ihren Liegestuhl in der Mittagspause bei Sonnenschein nutzen, zusammen mit einer dicken Decke und der Wärmflasche?

Und was ist mit Sonne und dem Hautkrebs-Risiko?

Bei maßvoller Sonnenexposition überwiegt die schützende Funktion von Vitamin-D-Hormon in der Haut die krebserregende Effekte des Sonnenlichts. 15-30 Minuten täglich reichen dafür übrigens bereits schon. (Ein Sonnenbrand sollte in jedem Fall vermieden werden!)

Zusammenhang mit dem Osteoporose-Risiko

Noch effektiver ist ein täglicher Spaziergang, am besten nach dem Mittagspäuschen. 
 
Denn das Vitamin-D-Hormon spielt auch eine Rolle im Knochenstoffwechsel. Aber selbst bei Osteoporose sind die Medikamente weit weniger wichtig, als regel- und mässige Bewegung an der frischen Luft. 

Und genau daran hapert es meist auch bei der Haupt-Risikogruppe für Osteoporose, den  Senioren: 
zuwenig Bewegung, 
zuwenig frische Luft 
und zu einseitiger Ernährung.